Marktwirtschaft funktioniert nur dann ideal, wenn alle Mitspieler gleich gut über alles informiert sind. Ergo: Sie funktioniert nie ideal. Was trotzdem verwundert: Wie können brave Landesbanken wie jene aus Sachsen so lange so schlecht informiert sein, dass sie Milliarden Euro in US-Hypotheken stecken, obwohl Ökonomen jahrelang vor einem Platzen der Immobilienblase warnen.

Eigentlich könnte man der Meinung sein, dass die Kräfte der Marktwirtschaft hier ruhig walten sollten – sprich: Jene Player, die Mist gebaut haben, sollten zwecks Katharsis Pleite gehen. Manche Hedgefonds wird keiner vermissen. Wenn aber sonst korrekte Banken in öffentlichem Eigentum in eine bedrohliche Schieflage kommen, weil ein paar Möchtegern-Wall-Street-Stars in den Treasury-Abteilungen den Hals nicht voll kriegen konnten, dann muss die öffentliche Hand trotz allem eingreifen. Das war auch bei der Bawag so.

Die aktuelle Finanzmarktkrise entstand, weil die Institute einander nicht mehr vertrauen, kein Geld mehr verleihen wollen und – um Liquidität zu beschaffen – Aktienbestand versilbern, was auf die Kurse drückt. Für die Notenbanken steht ebenfalls Vertrauen auf dem Spiel. Die Frage ist, ob der Einwurf billigen Geldes, oder die jüngste Zinssenkung in den USA, langfristig richtige Entscheidungen waren – ob sie dem Funktionieren des Systems dienen, ob nicht dadurch künftige Inflation programmiert oder das Gesunden der Strukturen verhindert werden. Man erinnere sich zurück: Die Zinspolitik des ehemaligen Fed-Chefs Alan Greenspan hätte vor allem die US-Unternehmen zum Investieren bringen sollen. Doch stattdessen hat sie zu viele billige Kredite für zu schlechte Schuldner ermöglicht und so die Sache erst aufgeblasen. (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.08.2007)