Die Suche nach der Utopie vom Ferienort beginnt oft am Flughafen. Das Ziel ist für jeden ein anderes.

Foto: Projektteam Eden/ Gregor Kremser
Schwechat – Was bedeutet für Sie Eden? Was bedeutet für Sie Utopie? Fragen wie diese haben Gregor Kremser vom Kunstverein raumgreifend und seine Kollegen Alexander Goll und Christoph Höschele Reisenden am Flughafen Wien-Schwechat gestellt. Anfang Juli befragten sie 15 Personen vor dem Abflug, die Interviews haben sie in einen Film namens EDEN – Schwechat, ein Ort für Utopien? verpackt. Der Kurzfilm wird diesen Freitag am Flughafen im Rahmen des Viertelfestivals Niederösterreich gezeigt.

"Die Leute können heute für immer weniger Geld immer weiter weg fliegen, sind aber immer weniger daran interessiert, wo sie dann eigentlich sein werden", sagt Kremser, "Damit wird der Ferienort, das Ziel der Reise, zur Utopie und letztendlich austauschbar." Für viele sei Eden natürlich ein klassischer Palmenstrand, aber zum Teil hätten die Interviewten auch sehr persönliche Eindrücke und ganz bestimmte Vorstellungen von "ihrem" Eden geschildert. Das Eden eines Geschäftsmannes aus der Schweiz etwa: "Ich fahre öfter mit dem Rad den Berg hinauf. Wenn ich dort angekommen bin, dann ist das für mich meine Erfüllung und mein ganz persönliches Eden."

Kremser zeigt sich erstaunt, wie positiv die Reisenden auf die Kontaktaufnahme reagiert haben. "Das ganze hatte für uns einen Versuchscharakter", sagt er, "aber wir haben kaum Absagen bekommen". Eine Hälfte der Befragten waren Österreicher, die andere ausländische Reisende, Geschäftsleute wie Touristen.

Die entstandenen Interviews haben die Filmemacher zu kurzen Statements in Werbespotlänge zusammengeschnitten und mit Werbeslogans gemixt, wie man sie aus Reisemagazinen kennt. "Die Freundlichkeit der Menschen und die unvergessliche Schönheit der Insel werden sie gefangen nehmen", tönen die Urlaubsklischees.

Entstanden ist ein 15-Minuten-Film, der auf zwei Schirmen in der Abflughalle im Loop laufen wird. Ursprünglich war auch ein fiktives Reisebüro geplant, das aber aus sicherheitstechnischen Gründen am Flughafen nicht realisiert werden konnte.

Das Viertelfestival Niederösterreich hat im Vorjahr den zweiten Zyklus begonnen. Jedes Jahr findet es in einem der niederösterreichischen Viertel statt. Nach dem Waldviertel im vergangenen Jahr ist heuer das Industrieviertel Gastgeber und Themenmittelpunkt. Noch bis 16. September setzen sich Veranstaltungen mit dem Festivalmotto "grenzen.los", aber auch mit der Region selbst auseinander: mit ihrer Landschaft, Geschichte und Alltagskultur, aber auch mit sozialen Themen wie Arbeitslosigkeit und Fremdsein. Im September erzählen Frauen ab 60 in Wiener Neustadt ihre Lebensgeschichten im_Bühnenstück "Wilde Weiber, feine Frauen". In Gumpoldskirchen führen wiederum arbeitsuchende Jugendliche das auf ihren Erfahrungen basierende Theaterstück Achtung.Fertig.Arbeitslos! auf.

Gregor Kremser ist zum vierten Mal beim Festival mit dabei. Zu seiner Teilnahme sagt er: "Ich bemühe mich, mich mit Leuten aus verschiedenen Bereichen zusammen zu tun und das Projekt an den Ort anzupassen." So kam es auch zu EDEN am Flughafen. (Andrea Katschthaler /DER STANDARD, Printausgabe, 21.08.2007)