Wien - Martin Bartenstein sorgt für Aufregung unter Frauenpolitikerinnen. Nicht nur die Grüne Brigid Weinzinger wirft ihm vor, "schlecht informiert" zu sein - auch SPÖ-Frauensprecherin Gabriele Heinisch-Hosek ist nach eigenem Bekunden "sauer". Der Grund: Bartenstein hatte im Standard-Sommergespräch gesagt, bis dato sei ihm "kein einziger Fall vorgelegt" worden, dass eine Frau schlechter bezahlt werde als ein Mann.

Heinisch-Hosek und Weinzinger verweisen auf den jüngsten Gleichbehandlungsbericht, den Frauenministerium und Wirtschaftsministerium gemeinsam an das Parlament übermittelten. Da sind, allein für die Jahre 2004 und 2005, 24 Fallbeispiele aufgeführt, in denen sich Frauen wegen finanzieller Benachteiligung am Arbeitsplatz an die Gleichbehandlungsanwältin wandten. Heinisch-Hosek: "Bartenstein ist in Gleichstellungsfragen ignorant." Das Wirtschaftsministerium solle endlich "Anreize schaffen, um Frauenkarrieren zu fördern".

Die Grünen haben die Einkommensunterschiede um Teilzeit-Jobs und Kinderpause bereinigt und kommen dennoch auf einen Prozentsatz von "15 Prozent reiner Lohndiskriminierung" bei Frauen.

Kritik gibt es auch an Bartensteins Vorschlag, dass für den ersten Angestellten eines/einer JungunternehmerIn ein Jahr lang keine Abgaben entrichtet werden sollen. Der SPÖ-Wirtschaftsverband wirft dem Minister vor, er habe jahrelang versäumt, diese "alte SPÖ-Forderung umzusetzen".

Das Liberale Forum verweist darauf, dass es schon jetzt für Unternehmensgründer eine temporäre Lohnkostenreduktion für beliebig viele Arbeitnehmer gebe. Bartensteins Vorschlag sei erstens "unfinanzierbar" und zweitens für viele eine Verschlechterung gegenüber dem Status quo. (stui, DER STANDARD, Print, 24.8.2007)