Wien/Dornbirn – Für Dämmstoffhersteller ist der Klimaschutz ein gutes Geschäft. Nur wer Häuser dick dämmt, kann die Energiekosten fürs Heizen (und im Sommer fürs Kühlen) senken – und somit auch den CO2-Ausstoß: Ein Ziel, das auf der EU-Klimaschutz-Prioritätenliste weit oben steht.

In einem durchschnittlichen Einfamilienhaus könne man sich durch thermische Sanierung drei Viertel der Heizkosten und vier Fünftel der CO2-Emissionen ersparen, sagt Franz Jany, Geschäftsführer der Gemeinschaft Dämmstoff Industrie. Gelänge es, den Anteil der Sanierungen im Gebäudebestand von 0,8 Prozent auf zwei Prozent pro Jahr zu erhöhen, so hätte das "530 Millionen Euro zusätzliche Investitionen und 11.000 neue Jobs jährlich" zur Folge.

Motivierend dürfte hier der Gebäudeausweis wirken, der ab Jänner 2008 bei Neubauten, ab Jänner 2009 auch bei Verkauf oder Vermietung eines Hauses oder einer Wohnung vorliegen muss. Er soll es Käufern und Mietern möglich machen, die zu erwartenden Energiekosten abzuschätzen – wie bei Eiskästen oder Autos schon jetzt.

Der Ausweis wird auf Grundlage einer EU-Richtlinie eingeführt, die der Erreichung des Kiotoziels dienen soll. Angepeilt wird, den Treibhausgasausstoß von Gebäuden bis 2020 EU-weit um 20 Prozent zu senken. Ob dies gelingen kann, bezweifelt so mancher Experte, würde es doch voraussetzen, dass der Energieverbrauch durchs Wohnen bis dahin jährlich um sieben Prozent zurückgeht. Auch sind bei Nichtvorliegen eines Gebäudeausweises keinerlei Sanktionen vorgesehen.

Helmut Krapmeier, Architekt und Energieexperte aus Vorarlberg, setzt daher mehr auf das Heizkostenargument. Die zu erwartenden Steigerungen bei den Energiepreisen könnten es Normalverdienern bald "schwer machen, ein ganzes Haus warm zu halten".

Krapmeier rät zur Errichtung von Häusern, die keine Zuheizung brauchen: Passivhäuser, deren Konzept er 1993 aus Deutschland nach Österreich gebracht hat. Seither wurden bundesweit bereits 1660 Nullenergiehäuser errichtet. Seit Beginn 2007 werden in Vorarlberg öffentliche Wohnbauprojekte nur gefördert, wenn sie in Passivhaus-Standard errichtet werden. Und, wie gesagt: Auch bereits erbaute Häuser können auf Niedrig- oder Nullenergiestandard umgerüstet werden. Durch massives Dämmen. (Irene Brickner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.08.2007)