In Österreich streitet die Großindustrie mit dem Umweltministerium darüber, ob es nun gerechtfertigt wäre, dass sie um sechs oder sieben Prozent weniger Gratis-CO2-Verschmutzungsrechte bekommt. Da wird lautstark die Standortkeule geschwungen, Hochöfen in Gedanken bereits gegen Osteuropa ausgelagert. Die heimische Industrie gehöre nämlich zu den Musterknaben in Sachen Produktionseffizienz weltweit, es sei daher im Hinblick auf den globalen Wettbewerb unfair, sie noch zusätzlich zu belasten.

Das Argument hat etwas, keine Frage. Wenn manche Staaten ihre nationalen Champions zuvor mit Gratisrechten geradezu überschüttet und so Einsparungsziele der Union untergraben haben, so kann das nicht mit hehren Zielen in kleinen Staaten wettgemacht werden. Trotzdem: Verschmutzen wird teuer, daran führt kein Weg für Voestalpine, OMV und die 200 anderen heimischen CO2-Emittenten vorbei. Darüber hinaus sind Verschmutzungsrechte derzeit noch relativ billig über das EU-Handelssystem einzukaufen, da der Markt bis dato durch die Gratiszertifikate untergraben worden war.

Relativiert werden die Probleme der reichen Länder dann, wenn Minister aus dem afrikanischen Kleinstaat Lesotho oder dem Inselstaat Kap Verde erzählen, dass durch den Klimawandel die Existenz des gesamten Landes auf dem Spiel steht. Weil die Sommer seit dem Jahr 2000 stetig heißer werden, sodass etwa die Lebensgrundlage von 95 Prozent der Bevölkerung, die Landwirtschaft, bald einfach nicht mehr funktioniert.

Notwendig wäre, dass die Großverschmutzer in allen Ländern einsehen, dass der Klimawandel nicht nur Lesotho und Kap Verde, sondern auch die eigene Existenz grundlegend verändert. Und dass die Lösung alle sehr viel Geld kosten wird. (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Printausgabe, 27.8.2007)