Wien – Die wahrscheinlich erste PR-Agentur, die sich ausschließlich Klimaschutzmaßnahmen verschrieben hat, hat kürzlich in Österreich eröffnet. ClimatePartner ist eine Schwester der gleichnamigen deutschen Agentur, die wiederum aus einer Gründung ehemaliger Mitarbeiter der Dresdner Bank entstand. "Die hatten viel Klimaschutz-Knowhow aufgebaut und haben das für eine Agenturgründung genutzt", erklärt Klaus Reisinger, Geschäftsführer von ClimatePartner Österreich.

Kostet etwas mehr

Die Agentur macht im Wesentlichen das, was andere Public-Relations-Agenturen auch machen. Nur verlangt sie vom Kunden etwas mehr, da jeder Auftrag – etwa das Organisieren von Events, das Drucken von Broschüren etc. – auf Klima-Relevanz hin untersucht wird. Da jede dieser Aktionen Treibhausgase verursacht, werden in einem mehr oder weniger präzise geschätzten Gegenwert Umweltschutzprojekte in Osteuropa oder einem Entwicklungsland unterstützt. Da wird etwa ein Windpark in Rumänien finanziert oder ein Projekt in Eritrea, bei dem Solaranlagen Kohleverbrennung substituierten.

Reisinger betont, dass so Projekte finanziert werden, die ein Gütesiegel haben. Dabei greift die Agentur auf den "Gold Standard" zurück, den die WWF und andere entwickelt haben und der darauf Bedacht nimmt, dass neben Klimaschutz-Tauglichkeit das Projekt auch der lokalen Bevölkerung etwas bringt.

"Klima-neutrale" Veranstaltung

Oft sind das Projekte, die auch vom United Nations Framework Convention on Climate Change (UNFCCC) als ein Klimaschutzprojekt im Rahmen des Kioto-Protokolls identifiziert wurden. "Da entsteht ein auf Freiwilligkeit basierender Markt für Klein- und Mittelbetriebe", bestätigt WWF-Experte Markus Niedermair. Reisinger hat in Österreich bereits Jahreshauptversammlungen "neutralisiert", indem der durch die Veranstaltung verursachte CO2-Ausstoß durch die Finanzierung von Reduktionsmaßnahmen anderswo gewissermaßen kompensiert wird. Ein weiterer Markt seien Firmenbroschüren und Geschäftsberichte.

Sehr oft wird dies als Marketinggag, als "Ablasshandel" kritisiert, mit dem man sich ein gutes Gewissen kaufen könne. "An dieser Kritik kann ich nichts finden", sagt Niedermair. Was so etwas kostet? Eine kleine Veranstaltung mit 50 Leuten ließe sich etwa um 1500 Euro "Klima-neutral" machen, erklärt Reisinger: "Der Kunde bekommt von uns zwei Rechnungen. Eine für unsere Leistung und eine für den Klimaschutz. Das geben wir eins zu eins weiter." (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.8.2007)