Wien - "Seit drei Jahren will ich das machen", erzählt Frau Ludwig lachend, während sie in der Schlange vor dem Bus der Nationalbank, der im Sommer durch ganz Österreich tourte, wartet. Wie sie nutzten am Donnerstag, trotz Regens, 1792 Personen die Gelegenheit, bei der Endstation der Euro-Tour auf dem Wiener Michaelerplatz ihre letzten Schilling-Reserven in Euro zu wechseln. Viele trennten sich erst jetzt vom alten Geld, weil sie es vor Jahren zu gut versteckt hatten:

"Die Leute finden Schillinge an den skurrilsten Orten wieder", sagte Tour-Organisator Martin Taborsky. Von Verstecken hinter Tapeten, unter Parkettböden oder Autositzen sei schon alles vorgekommen.

Schillinge in der alten Hose

"Ein Herr zum Beispiel hat 20 Kilo abgenommen. Als er nach Jahren wieder in seine alte Hose passte, fand er darin alte Schilling-Noten", erzählt er. Viele würden das Geld aber auch aus Nostalgie behalten: "Je älter die Leute, desto länger hat der Schilling Zeit, sich zu verstecken."

Mit den Jahren aber verkleinert sich der Trennungsschmerz. Auch bei Frau Tanzler, die ihre alten Silbermünzen zum Bus brachte: "Ich dachte immer, ich warte noch. Die Münzen waren ein Geschenk, und diese einzutauschen schien mir schäbig." Nun aber ließ sie die Aussicht auf den Gegenwert von 50 Euro frohlocken: "Ich gehe dann gleich zum H&M und kaufe mir ein paar Fetzen."

Eingetauscht wurden aber nicht nur Kleinbeträge. So mancher rückte mit einem größeren Geldvorrat an. Der eingetauschte Höchstbetrag belief sich am Donnerstag auf immerhin 150.000 Schilling.

Der Raimund-50er läuft ab

Besonderes Augenmerk galt dem Tausch des alten Fünfhunderters mit dem Porträt von Josef Ressl. Dieser konnte am 31. August zum letzten Mal gewechselt werden und hat seitdem höchstens noch Sammlerwert. Nächstes Jahr geht es dann Ferdinand Raimund an den Kragen: Bevor die 50-Schilling-Note mit seinem Konterfei die Gültigkeit verliert, wird der Euro-Bus dann wieder touren. (Sylvia Kuba, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.9.2007)