Wien - Als "Fortsetzung der museumspolitischen Willkür Marke Gehrer" charakterisiert der Grüne Kultursprecher Wolfgang Zinggl die Verteilung der zusätzlichen Mittel für die Bundesmuseen. "Wieder einmal werden nur akute Finanzlöcher gestopft, anstatt endlich Nägel mit Köpfen zu machen und Geld nach strategischen Erwägungen zu verteilen", so Zinggl in einer Aussendung. Die Verteilung der Mittel bezeichnete Zinggl als unsystematisch.

"Gipfel der Unverfrorenheit"

Besondere Kritik widmet Zinggl dem Generaldirektor des Kunsthistorischen Museums Wilfried Seipel: "Es ist wirklich der Gipfel der Unverfrorenheit, dass Wilfried Seipel für seine völlig verfehlte Finanz- und Budgetpolitik nun auch noch mit einer Erhöhung der Mittel um 1,8 Millionen Euro entschädigt wird. An jedem anderen Museum der Welt wäre ein dermaßen unfähiger und verschwenderischer Direktor schon längst entlassen, nur in Österreich wird man dafür auch noch belohnt". Zinggl, der kürzlich zum neuen Kuratoriums-Vorsitzenden im MUMOK berufen wurde, verglich: "Allein mit dem Jahresgehalt Seipels könnte beispielsweise das Museum moderner Kunst seine gröbsten infrastrukturellen Probleme beheben".

Schröder: "Schock für alle Mitarbeiter"

"Natürlich" als "Bestrafung erfolgreich geführter Museen" und "Schock für alle Mitarbeiter" bezeichnete der Direktor der Albertina, Klaus Albrecht Schröder, die Verteilung der zusätzlichen Mittel, bei der sein Museum leer ausgegangen ist. "Alle Medien erwarten jetzt sicher Drohgebärden von mir oder eine beleidigte Reaktion. Das ist jedoch nicht meine Art. Mein Ziel ist, das Museum weiterhin erfolgreich zu führen", so Schröder.

Bisher seien - entgegen weit geringeren Eigendeckungsgraden bei anderen Museen - "35 Prozent unsere Museumsbetriebs vom Staat finanziert worden. Nun wird das halt noch weiter sinken", so Schröder.

Schröder: Hauptaufgabe Mitarbeitermotivation

Seine Hauptaufgabe werde nun sein, seine Mitarbeiter wieder zu motivieren. "Hier bricht gerade alles zusammen, die Mitarbeiter lassen die Köpfe hängen. Ich muss ihnen wieder zeigen: Es lohnt sich, für die Albertina zu arbeiten, auch wenn das von der Politik nicht gewünscht wird. Wir arbeiten ja nicht für das Ministerium, sondern für die Kunst und die Albertina." Dass die Albertina bei der Verteilung der zusätzlichen Mittel übergangen worden sei, sei "eine demotivierende Signalsetzung, das erfolgreiche PPP-Modell wurde abgewählt."

Informationspolitik bedauerlich

Schröder bedauert auch die "Form der Informationspolitik" des Unterrichtsministeriums". Er sei über die Albertina-Gelder per Email und über die Mittel der anderen Museen über die Medien informiert worden. Und auch über die Form der Diskussion um die Neuordnung der Museenlandschaft ist Schröder unzufrieden: "So, wie wir jetzt informiert worden sind, so findet auch keine Diskussion statt über eine Neuordnung der Bundesmuseen, allenfalls eine Verordnung darüber. Das ist zu akzeptieren."

Köb: "Erfolgreiche, engagierte und seriöse Arbeit wird nicht honoriert"

"Erfolgreiche, engagierte und seriöse Arbeit wird nicht honoriert": So reagierte der Direktor des Museums Moderner Kunst, Edelbert Köb, auf die Tatsache, dass sein Museum bei der Erhöhung der Bundesmuseen-Basisubvention 2008 leer ausgegangen ist. Er habe in den vergangenen Jahren "die steigenden Kosten aufgrund der jährlich gestiegenen Eigenleistung kompensieren und ausgeglichen bilanzieren" können, so Köb in einem schriftlichen Statement. "Doch der Plafond des Möglichen ist erreicht."

Allein Fixkosten seien inflationsbedingt um 700.000 Euro seit 2002 gestiegen

"Zusätzliche Gelder wären dringend nötig gewesen, um in derselben Qualität weiterarbeiten zu können", so Köb. Das MUMOK habe seit 2002 unter anderem die Besucherzahlen von 145.000 auf 206.000 (im Jahr 2006) gesteigert und den Wert des jährlichen Sammlungszuwachses von 470.000 auf 2,1 Mio. Euro ("durch Schenkungen!") erhöht. Bei gleichbleibender Basisabgeltung seien hingegen allein die Fixkosten seit 2002 inflationsbedingt um mehr als 700.000 Euro gestiegen. Man müsse nun ab 2008 "die gesamte Basisabgeltung zur Deckung der Fixkosten" heranziehen. Ausstellungen, Kunstankäufe und Marketing müssten daher "zur Gänze aus den Eigeneinnahmen finanziert werden".

Husslein-Arco: "Schritt in richtige Richtung"

"Das ist ein erster Schritt in die richtige Richtung", kommentierte dagegen Belvedere-Direktorin Agnes Husslein-Arco die hinter ihren Erwartungen zurückgeblieben Erhöhung der Belvedere-Mittel (plus 1,7 Mio. Euro) mit nicht überspielter Enttäuschung. "Ich wollte mehr, weil wir mehr brauchen", so Husslein.

Mit den drei Millionen Erhöhung, die sie verlangt habe, wäre die längst ausständige Abdeckung von Basisdefiziten möglich gewesen. Vor allem die Renovierung des Unteren Belvedere sowie die Präsentation der gesamten Mittelalterbestände im Prunksaal hätte das Museum in rote Zahlen gestürzt. Welche Verwendung die 1,7 Millionen, die dem Belvedere nun zusätzlich zugesprochen wurden, finden werden, sei noch nicht absehbar.

Noever: "Tropfen auf den heißen Stein"

Als "Tropfen auf den heißen Stein" bezeichnete MAK-Direktor Peter Noever jene 500.000 Euro, die das Museum für Angewandte Kunst ab 2008 jährlich mehr an Basissubvention bekommt. "Es ist ein äußerst positives Zeichen und sehr erfreulich, zu den wenigen Institutionen zu gehören, die berücksichtigt worden sind", sagte Noever laut einer Aussendung. Jedoch mache der zusätzliche Betrag "nicht einmal die Hälfte der Valorisierung seit Ausgliederung aus".

Es sei auch "das dringend erhoffte und erwartete unmissverständliche Bekenntnis der neuen Bundesregierung zur heutigen Kunstproduktion und den Kunstschaffenden nach wie vor bisher ausgeblieben".

Seipel: "Ein großer Wurf"

"Sehr positiv gestimmt" zeigte sich der Generaldirektor des Kunsthistorischen Museums (KHM), Wilfried Seipel- und das nicht so sehr wegen der 1,8 Millionen Euro an zusätzlicher Basissubvention, die sein Haus ab 2008 bekommt. Vielmehr hab das Unterrichtsministerium darüber hinaus die notwendigen zusätzlichen Mittel "in Aussicht gestellt", die das KHM für die Fertigstellung der Kunstkammer und des Völkerkundemuseums braucht. "Ein großer Wurf", so Seipel.

Für die Kunstkammer betrage dies 6,5 Millionen Euro, für das kürzlich zum Teil wiedereröffnete Völkerkundemuseum 3 Millionen Euro, so Seipel. Es sei ihm vom Ministerium "signalisiert worden, dass wir den Ausbau der Kunstkammer und des Völkerkundemuseums vorantreiben" können.

Seipel: KHM als erstes in Vollrechtsfähigkeit entlassen, daher "am frühesten Bedarf" an zusätzlichen Mitteln

Mit den 1,8 Mio. Euro an zusätzlicher Basisabgeltung, die das KHM ab 2008 bekommen wird, "können wir die notwendigsten Mehrausgaben hoffentlich abdecken", so Seipel. Das KHM habe aber "nach wie vor Mehrbedarf", so könne man u. a. keine Erwerbungen tätigen. Jedoch "wäre es ungerecht, wenn ich von vornherein sage, es ist nicht ausreichend. Es ist mittelfristig gesehen nicht ausreichend, aber ein guter Beginn", so Seipel. Die Aufteilung der zusätzlichen Mittel sieht er in der bisherigen Dauer der Ausgliederung begründet: Das KHM habe als erstes 1999 seinen Weg in die Vollrechtsfähigkeit gefunden, daher habe es "auch am frühesten Bedarf" an zusätzlichen Mitteln.

Rachinger: "Man muss auch realistisch sein"

Als "zufrieden" bezeichnete sich die Generaldirektorin der Österreichischen Nationalbibliothek, Johanna Rachinger, über die 1,7 Millionen Euro, um die die Basisabgeltung für ihre Institution im Jahr 2008 anwachsen wird. "Unsere Forderung war eine höhere, aber man muss auch realistisch sein", sagte Rachinger.

Mit den zusätzlichen Geldern könne man nun auch zusätzliche Aufgaben im digitalen Bereich angehen, die die Zukunft der ÖNB prägen werden: So startet mit Jänner 2008 die Archivierung des "österreichischen WWW", dessen Inhalte für künftige Generationen aufbewahrt werden sollen. Nicht zuletzt damit "verlieren wir nicht den Anschluss an die führenden Bibliotheken Europas", so Rachinger.

Dennoch habe es Auswirkungen, dass die Nationalbibliothek bei den zusätzlichen Mitteln nicht die volle gewünschte Höhe (Rachinger sprach im Vorfeld von 4 Mio. Euro) zugestanden bekommen hat. Bei der Digitalisierung des eigenen Bestandes werde man künftig "nicht in dem Tempo voranschreiten können, das wir uns vorgenommen haben", so Rachinger.

Zuna-Kratky zeigt Verständnis: "Wir haben Rücklagen"

Für die Direktorin des Technischen Museums, Gabriele Zuna-Kratky, die nach der Wegnahme der für die Errichtung eines "Zu(g)baus" versprochenen Mittel nun auf Berücksichtigung bei der Vergabe der zusätzlichen Basisabgeltung gehofft hatte, ist die neue ministerielle Entscheidung "nachvollziehbar". Für den abgesagten "Zu(g)bau" habe man "sehr gespart und so Rücklagen bilden können. "Es ist vollkommen klar, das die Ministerin jetzt nicht sagt, dass wir zum Zug kommen. Wir sind kein armes Haus, wir haben Rücklagen und werden diese nun verwenden", so die Direktorin.

Statt eines "Zu(g)baus" komme im Technischen Museum nun ein Rückbau, die Lokomotiven wären dann eben in einem Schaudepotbetrieb oder eine Zeitlang gar nicht zugänglich. Kostensteigerungen im Betrieb "müssen wir abfangen. Der große Wurf ist hoffentlich das Doppelbudget 2009/2010." Dann erwarte sie sich nur die Beurteilung aktueller Projekte, sondern eine Budget-Verteilung aufgrund umfassender Evaluierung und abgeschlossener Leistungsvereinbarungen.

Augenzwinkernd: "'Frauen auf goldenen Fahrrädern' wäre sicher guter Ausstellungs-Titel

Während die Experten-Evaluierung unter Ministerin Elisabeth Gehrer eher eine Evaluierung der Ausgliederung gewesen sei, werde die neue Expertise zukunftsgerichtet sein, hofft Zuna-Kratky. Bei der zu erwartenden Diskussion über die Neuordnung von Sammlungsbeständen sieht sie sich allerdings kaum betroffen: "Bis jetzt wollte noch niemand unsere Fahrräder ausstellen. Obwohl: Wenn ich daran denke, dass vor allem Ausstellungen Renner waren, bei denen im Titel die Begriffe 'Frauen' oder 'Gold' vorkamen, wäre vielleicht 'Frauen auf goldenen Fahrrädern' ein guter Ausstellungs-Titel..." (APA)