"Wer nichts ist und wer nichts kann, geht zur Post und Bundesbahn", lautet ein altes und sehr böses Sprichwort, das sich einst manch Angehöriger dieser Zünfte gefallen lassen musste. Inzwischen sind Jahre vergangen und niemand käme auf die Idee, diesen Berufsstand zu verunglimpfen. Warum auch? Es gibt genügend Ersatz, wenn sich auch "Unterhaltungsfernsehen" weder auf "ist" noch auf "kann" reimt.

Dort gibt es inzwischen nichts Unwichtigeres als Wesen und Fähigkeit der Auftretenden. Wie sonst ist es möglich, dass die Damen Claudia Effenberg, Giulia Siegel und Maja Prinzessin von Hohenzollern plötzlich zu Lebensberaterinnen werden konnten? Abendlehrgänge? Kurse? Studium? Nichts dergleichen. Das Zeugnis für ihr Tun sind gescheiterte Ehen. Deshalb "helfen" sie ab Dienstag (RTL 2) im "Club der Exfrauen". Und zwar so: "Sie leiden immer noch schrecklich unter der Trennung von ihrem Mann? Hat Ihr Ex Sie betrogen und einfach sitzen gelassen? Fühlen Sie sich seitdem unattraktiv und wissen nicht mehr ein noch aus? Brauchen Sie Hilfe, um endlich über den Trennungsschmerz hinwegzukommen?"

Dann brauchen Sie Hilfe, weil: "Selbst ist die Frau! Heulen bringt einen auf Dauer nicht weiter. Den ganzen Frust einmal rauslassen schon eher. Die Lösungen liegen auf der Hand: Warum nicht die Stereoanlage des untreuen Gatten zerlegen? Oder das sorgfältig gehütete Hochzeitskleid verbrennen?" Nie war Fernsehen schäbiger – und wahrscheinlich nie authentischer. (prie/DER STANDARD; Printausgabe, 4.9.2007)