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Oranjestad, Aruba - ein Ziel für Urlauber wie für Anleger, die weniger Steuern zahlen wollen.

Fotos: Cremer, AP; Montage: Kohlhuber
Wien – Im elektronischen Geschäftsbericht 2006 der Meinl Bank fehlt die Seite 54. Laut Inhaltsangabe sollte es sie geben. Auch im Text wird mehrfach auf sie hingewiesen. Doch aus der PDF-Datei ist sie verschwunden. Auf bewusster Seite sollte, wie zuvor auch im Geschäftsbericht 2005, ein Überblick über sämtliche Beteiligungen der Wiener Meinl Bank gegeben werden – über jene, die voll konsolidiert werden, jene, die "at equity" bewertet werden, und jene, die nicht konsolidiert werden, aber zur Firmengruppe gehören. Seitens der Bank wird das Verschwinden der Seite lediglich insofern kommentiert, als dass man als Privatbank Geschäftsberichte auch bearbeiten dürfe, wurde dem STANDARD auf Anfrage beschieden.

Investoren unbekannt

Dass ausgerechnet diese Seite fehlt, macht jedenfalls stutzig: Denn damals im Jahre 2005 war auch eine Tshela A.V.V., mit Sitz in Oranjestad, Aruba, als 100-prozentige Tochter angeführt. Diese hielt bis Anfang 2007 noch die 150 Millionen Stück "Partly Paid Shares" an der jetzt viel diskutierten Immobilienfirma Meinl European Land (MEL), die jetzt an europäische institutionelle Investoren verkauft worden sind. Wer die Investoren sind, ist in der Öffentlichkeit unbekannt. Die "außerbörslichen Billigaktien" haben volle Stimmrechte für einen Cent Kaufpreis und sollen – die Meinl Bank hat seit 2002 einen Managementvertrag für MEL – eine feindliche Übernahme verhindern.

Die Wurzeln der jetzt gehörig ins Gerede gekommenen Meinl Bank reichen ins Jahr 1923. Als das damalige Lebensmittel- und Handelsunternehmen bereits 61 Jahre alt war, wurde ein "Spar- und Kreditverein der Freunde & Angestellten der Julius Meinl AG" von Firmenherr Julius Meinl (II.) als Genossenschaft gegründet. Diese wurde von den Nazis liquidiert, die Familie flüchtete nach London. 1956 wurde sie von Julius Meinl III. in Wien neu gegründet. 1969 kaufte Meinl das Bankhaus Brunner, das 1979 mit der Genossenschaft zur Meinl Bank verschmolz.

Rückzug des Mohren

Julius Meinl V., in London geboren und heute 47 Jahre alt, übernahm 1983 die Leitung der Gruppe. Aus dem Lebensmittelhandel zogen sich Meinls sukzessive zurück, von der einstigen Größe unter dem Logo des "Mohren" – 340 Filialen Ende der 90er in Österreich – blieb nur das Flaggschiff Meinl am Graben. Auch die Lebensmittelproduktion – Kaffee der Marken Meinl, Zumtobel, Tee und Marmelade – wurde kleiner.

Die Privatbank hingegen – seit 1987 als AG konstruiert – expandierte kräftig. Im Firmenbuch finden sich heute als Beteiligungen zwei Dutzend Gesellschaften: Holdings wie Julius Meinl Industrie, aber auch Finanzdienstleister wie Meinl Success. Weitere Vernetzungen sind schwer zu verfolgen: Viele der Firmen, vor allem die Holdings, sind steuerschonend auf den Niederländischen Antillen – Aruba, Bonair, Curacao – registriert. Oder auf der Kanalinsel Jersey, oder in der Schweiz. Selbst die Ur-Wiener Institution Meinl am Graben gehört einer niederländischen Gesellschaft.

Julius Meinl V. studierte in St. Gallen Wirtschaft und gilt als Freund von Exfinanzminister Karl-Heinz Grasser. Exinvestmentbanker Wolfgang Flöttl, er steht im Bawag-Strafprozess vor Gericht, ist ebenfalls guter Bekannter und Geschäftspartner (man kennt einander von "Lehrjahren" bei Bear Stearns bzw. Kidder, Peabody & Co. in New York). Der Firmenchef wird als knallharter Banker beschrieben, der sein von seinen Vorfahren übernommenes Kontakte-Netzwerk mit Erfolg weiterknüpft. (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.9.2007)