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"Achten Sie auf den Rauch nach dem Einschlag. Jeder, der schon einmal ein Holzfeuer entzünden wollte, weiß, was Rauch bedeutet: Das Feuer brennt nicht." Während die Türme des World Trade Centers in weniger als zehn Sekunden ineinanderfielen, benötigte die Dokumentation "9/11 Mysteries" auf ORF beinahe eineinhalb Stunden, um mit derartigen Erklärungen davon zu überzeugen, dass die Terroranschläge in Wirklichkeit das Werk durchtriebener amerikanischer Hintermänner waren.

Doch natürlich wollte – und konnte – sich die in doppelter Hinsicht spekulativ angelegte Doku auf eine solche These nicht festlegen, deshalb ging es darum, die Hitzebeständigkeit von Stahl, angebliche Unrentabilität der Gebäude und Aussagen professioneller Sprengmeister zu einem Puzzle pauschaler Verdächtigungen zusammenzusetzen.

Und wenn gewiefte Cutter einen dutzende Male das Wort Explosion hören ließen, dann glaubte man tatsächlich irgendwann, dass zwei einfache Boeing 767 nicht das bewirken hätten können, wogegen die Türme hätten resistent sein müssen: gegen einen Anschlag aus der Luft. Dass die mit der Zerstörung des WTC einhergehende Verwundbarkeit des mächtigsten modernen Imperiums jedoch nie auf diese Verschwörungsfantasie hin befragt wurde, das war allerdings das tatsächlich Mysteriöse an diesem Abend. (pek/DER STANDARD; Printausgabe, 7.9.2007)