Wien – Die geplante Stärkung der ÖBB-Leitung wird nun umgesetzt. Am Wochenende hat die Bahn gleich sechs Vorstandsposten ausgeschrieben, wobei zwei auf die Holding entfallen. Sie wird derzeit von Konzernchef Martin Huber und Finanzdirektor Erich Söllinger geleitet. Mit einer Verstärkung durch Güterverkehr-Chef Gustav Poschalko wird gerechnet.

Wer der vierte Lokführer wird, ist indes unklar. Ursprünglich wurde mit Peter Klugar aus dem Vorstand der Bahn-Tochter Infrastruktur-Betrieb gerechnet. Dagegen spricht, dass in der Gesellschaft – im Gegensatz zur Güterverkehrgesellschaft Rail Cargo Austria (RCA) – kein Nachfolgeposten ausgeschrieben wurde. Laut Insidern ist das Rennen noch offen. In der RCA wird überdies ein Finanzer gesucht, weil Söllinger aus den Tochtergesellschaften ausscheidet und sich ganz der Holding widmen wird.

Bliebe noch der Bereich Personenverkehr: Dort muss neben Söllinger die ausgeschiedene Nahverkehrs-Chefin Wilhelmine Goldmann nachbesetzt werden, die nach erheblichen Differenzen mit Huber – er hatte ihr vorgeworfen, Bahn-Mitarbeiter und -Betriebsmittel für Privatagenden zu missbrauchen – ausgeschieden ist. Für den Fernverkehr bleibt Stefan Wehinger in Amt und Würden.

Die neuen Vorstände in der Holding werden einerseits für den Bereich Absatz und andererseits für Produktion/Technik zuständig sein. Erstere Funktion umfasst Personen- und Güterverkehr, letztere die Infrastruktur.

Risiko in Deutschland

In Deutschland sorgt die geplante Teilprivatisierung der Bahn nach wie vor für Krämpfe. Nach heutigem Stand müssten an die Bahn 7,5 Mrd. Euro überwiesen werden, wollte der Staat sich nach 15 Jahren wieder alle Rechte am Schienennetz und an der übrigen Infrastruktur sichern, teilte die Regierung mit.

Laut Gesetzentwurf soll die Bahn für 15 Jahre das wirtschaftliche Eigentum an der Infrastruktur erhalten. Danach soll der Bund die Infrastruktur kaufen. (as, Reuters, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.09.2007)