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Ein Mann, der seine Frau aufrichtig liebt, wacht nach einem feuchtfröhlichen Abend eines Morgens neben einer anderen auf. Auch sie hat sein Herz berührt. Eine Zeit lang führt er ein Doppelleben. Aber das Glück an zwei Orten kann nicht von Dauer sein. Das ist die Geschichte, die die deutsche Regisseurin Valeska Grisebach in "Sehnsucht" erzählt: eine eigenwillige, spröde und dennoch intensive Befragung "großer Gefühle", eine kluge Auseinandersetzung mit einer romantischen Standardsituation.

"Das kleine Fernsehspiel" des ZDF zeigt "Sehnsucht" als Auftakt eines Specials zur so genannten "Berliner Schule": Der Begriff diente zunächst als Sammelbezeichnung für eine Reihe von Filmschaffenden - Christian Petzold, Thomas Arslan, Angela Schanelec -, die ab Ende der 80er-Jahre an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin ausgebildet wurden und deren Arbeiten gewisse Gemeinsamkeiten aufwiesen: ein Interesse am Beiläufigen, Alltäglichen, tendenziell Undramatischen und eine formale Reduziertheit etwa.

Das ZDF zeigt nun Arbeiten, die eigentlich schon einer Nachfolgegeneration zuzuschreiben sind. Auf "Sehnsucht" (2006) folgen jeweils montags Henner Wincklers "Lucy" (2006), die differenzierte Beobachtung einer Teenage-Mom, Ulrich Köhlers "Montag kommen die Fenster" (2006), der bei einem vermeintlichen Kleinfamilienidyll seinen Ausgang nimmt, und Christoph Hochhäuslers Jugenddrama "Falscher Bekenner" (2005). (irr/DER STANDARD; Printausgabe, 10.9.2007)

ZDF, 10. 9., 0.05 & 3sat, 11. 9., 20.15