Wien - Es gibt im Umfeld des österreichischen Fußballteams zumindest einen Mann, der nie gefragt, nie beschimpft, nie ausgelacht wird. Co-Trainer Peter Persidis müsste eigentlich ein glücklicher Mensch sein, wobei ihm schon klar ist, "dass ich auch nie gelobt werde. Das liegt am Amt, das ist halt so." Nach dem 0:0 gegen Japan war selbst Persidis vom Lob natürlich so weit weg wie Verbandspräsident Friedrich Stickler von einem Lächeln. Immerhin stellten beide fest, dass das neue Klagenfurter Stadion "wunderschön" ist. Persidis, überrascht, noch etwas sagen zu dürfen (müssen): "Wir erstarrten wie die Kaninchen, dabei zählt Japan nicht zur Weltklasse. Es wird immer wieder Rückfälle geben, das liegt an der mangelnden Erfahrung. Aber es war lehrreich, das Spiel ohne Ball fehlt. Es gibt ein Problembewusstsein, ich hoffe auf eine Trotzreaktion gegen Chile." Das sollte es für den Co-Trainer gewesen sein.

Teamchef ist und bleibt nämlich Josef Hickersberger. Leben wir, was den nationalen Fußball betrifft, in einer Illusion? "Ja. Man muss betonen, dass wir bei der EURO krasser Außenseiter sind."

Sieben Spiele sind im Jahre 2007 absolviert, es gab null Siege, fünf Unentschieden und zwei Niederlagen. Wenigstens hat man pro Partie maximal einen Gegentreffer kassiert. Hickersberger. "Das spricht für eine gewisse Stabilisierung der Abwehr, die drei Torleute Payer, Macho und Manninger machen ihre Sache gut. Es ist ein kleiner Fortschritt, nicht zu verlieren. Wenn man schon nicht gewinnt. Aber ich gebe zu, dass der Entwicklungsprozess bei vielen nicht optimal läuft."

Der Weg zum Ziel bleibt unverändert. Es werden stückchenweise junge Spieler eingebaut, so wurde für den verletzten Martin Harnik der Rapidler Erwin Hoffer nachnominiert. Man wird sich weiterhin mit starken Mannschaften messen, Spielchen gegen irgendwelche übermotivierte Landesligaklubs seien, so Hickersberger, "sinnlos, nur eine Gefahr für die Knochen".

Keine Routine

Der Teamchef sieht im Routinemangel ein gewisses Problem. "Erst mit 25 Länderspielen ist man erfahren." Trotzdem werde er vorerst nicht auf gestandene Leute wie Ivica Vastic zurückgreifen. "Das kann man später noch tun. Man muss mit dem auskommen, was man hat. Als 59-Jähriger besitze ich die Gabe der Geduld." Immerhin fehle derzeit der verletzte Andreas Ivanschitz. "Er könnte im Mittelfeld Impulse setzten."

Am Dienstag wird das Turnier der Kontinente im Wiener Happel-Stadion gegen Chile (20.30) abgeschlossen. Man kennt die Südamerikaner nicht wirklich. Hickersberger verspricht keinen Sieg. Persidis hofft auf Trotzreaktionen. (Christian Hackl, DER STANDARD Printausgabe 10.09.2007)