Wien – Rund um die Affäre Meinl besteht reichlich Aufklärungsbedarf – nach wie vor auch bei den Aktienrückkäufen, die der „Board of Directors“ der Meinl European Land Limited (Jersey) veranlasst und erst im Nachhinein in einem schlanken Dreizeiler veröffentlicht hatte. "Zum 30. Juni 2007 hat die Gesellschaft insgesamt rund 52 Mio. an der Wiener Börse gelistete Zertifikate (...) zurück erworben", ließ er damals wissen. Weitere Rückkäufe wurden vor dem Börsengang der Meinl International Power (MIP) am 1. August getätigt.

In Summe hat die MEL, wie berichtet, mehr als 88 Mio. Aktien zurückgekauft. Kostenpunkt: 1,8 Mrd. Euro. Das verringert das Eigenkapital (4,8 Mrd. zum 31. März 2007; rund 3,8 Mrd. Euro Ende Juni) der Gesellschaft – ebenso wie den Nettowert der "Aktie", der sich ja aus dem Eigenkapital und der Zahl der ausstehenden Aktien bemisst. Kapital, das die Gesellschaft nun jedenfalls sicher nicht – wie den Anlegern versprochen – in neue Projekte investieren kann. Ein Faktum, das folgende Anlegerinformation des Boards of Directors (Vorstand) der MEL in einem neuen Licht erscheinen lässt: "Zur Stärkung des Fremdkapitalanteils hat die MEL im Juni 2007 einen Kreditrahmen im Ausmaß von 500 Mio. Euro initiiert, welchen die Gesellschaft bei Bedarf abrufen kann." Ob es sich beim Kreditgeber um die Meinl Bank handelt, ist nicht überliefert.

Je lauter der Unmut der Anleger wird, desto verschwiegener werden die Aufsichtsräte der Meinl Bank. Präsident Walter Jakobljevich ist nicht zu erreichen, sein bisheriger Vize, Alfred Reiter, ist schon zurückgetreten und zu keiner Auskunft bereit. Ein Eingeweihter knapp: "Die Sache ist zu haarig." (gra, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.09.2007)