Wien - "Der Ordensauftrag ist heute so wichtig wie damals", sagt Frater Ulrich Fischer, Provinzial der Österreichischen Ordensprovinz der Barmherzigen Brüder. Damals: Das bezieht sich auf die Gründung des Ordens, die vor 400 Jahren in Liechtenstein stattfand. Auch heute noch sei die nobelste Aufgabe der Brüder, dass sie alle Kranken aufnehmen, egal ob mit oder ohne Krankenversicherung.

Mit elf Spitälern und Pflegeeinrichtungen ist der Orden in Österreich vertreten. Der Schwerpunkt liegt bei Akutspitälern, daneben bemüht sich die Einrichtung aber auch, "den Kreis zu schließen", wie Adolf Inzinger, der Gesamtleiter der Provinz es bezeichnet. Deshalb investieren die Barmherzigen Brüder gezielt in den Aufbau von Pflegeeinrichtungen. So gibt es bei Klosterneuburg ein Pflege- und Altenheim mit 300 Betten. Außerdem wird derzeit, in Zusammenarbeit mit einer Schwestern-Ordensgemeinschaft, eine Haus-Krankenpflege aufgebaut.

"Ein solcher Kreis wäre auch im öffentlichen Bereich wünschenswert", sagt Inzinger. Es gebe viele Pflegebedürftige, aber kaum Rehab-Plätze. "Da liegen Leute in den teuren Akut-Betten, weil es zu wenige Pflegeplätze gibt." Das Problem werde nicht einfacher dadurch, dass es neun unterschiedliche Landes-Regelungen gibt. "Wir sind in allen Bundesländern im Finanzierungssystem drinnen", sagt er. Die Erfahrung daraus: "Veränderungen wären einfacher, wenn das Gesundheitssystem Bundessache wäre."

Die Kernaufgabe des Ordens, nämlich die Aufnahme aller Hilfsbedürftigen, egal ob mit oder ohne Versicherung, wird insbesondere in Wien viel nachgefragt. Das hat mit Ostöffnung und Tourismus zu tun. Fischer: "Touristen haben oft keine Versicherung, und dann kommen sie zu uns."

Die starke Nachfrage hänge aber auch "mit einer sozialen Kälte zusammen, die stärker geworden ist", betont Fischer. "In unsere Ambulanzen kommen Arbeiter, am Abend oder am Wochenende, weil sie sich aus Angst um den Arbeitsplatz vor dem Chef nicht getrauen zu sagen, dass sie krank sind." Oder Einzelunternehmer, so genannte Ich-AGs, die sich keine private Krankenversicherung leisten wollen oder können. Oder Obdachlose, von denen geschätzte 10.000 allein in Wien leben. "Wir sind auch für alle Randgruppen da", sagt Fischer, der die Auslastung bei den Barmherzigen Brüdern nicht nur deshalb als "sehr gut" bezeichnet. (ruz/DER STANDARD, Printausgabe, 11.9.2007)