Wien - Trotz sinkender Schülerzahlen in den Unterstufen der AHS tut man sich in den österreichischen Gymnasien schwer mit der Umsetzung der vom Unterrichtsministerium vorgegebenen Klassenschülerhöchstzahl. Seit diesem Schuljahr sollte eigentlich kein Schüler einer ersten AHS mehr als 24 Klassenkameraden haben. Die Realität sieht anders aus: So wird etwa in Wien in nur einem Drittel der ersten AHS-Klassen der "Richtwert" 25 für die Klassenschülerhöchstzahl erreicht. Die durchschnittliche Klassengröße liegt in der Bundeshauptstadt im neuen Schuljahr bei gut 26 Schülern. Zum Vergleich: Vor der Senkung der Klassenschülerhöchstzahl waren es etwa 28.

Das ruft Kritiker von Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ) auf den Plan, und die gibt es vor allem in der ÖVP: Das Geld, das für die Senkung der Klassenschülerhöchstzahl verwendet werden hätte sollen, "versickert", glaubt ÖVP-Generalsekretär Hannes Missethon. Und die ÖVP hat auch einen Verdacht, wofür es Schmied verwendet: für die Planung der Modellregionen für die Neue Mittelschule.

Die Grünen forderten am Montag mehr kleine Klassen: Heuer würden nur 194.000 Schüler von der Senkung der Klassenschülerzahlen profitieren, das seien magere 16 Prozent der rund 1,2 Millionen Schüler in Österreich, rechnete der Bildungssprecher der Grünen, Dieter Brosz, vor. Eine Senkung der Klassenschülerzahlen auch an den höheren Schulen sei dringend erforderlich. Gleichzeitig müssten zusätzliche Ausbildungsplätze vor allem an den berufsbildenden mittleren und höheren Schulen geschaffen werden. (APA, hei/DER STANDARD Printausgabe, 11. September 2007)