Die Zeit ist reif für Linux - da sind sich zwei jetzt erschienene Bücher einig. Wer sich für das freie Betriebssystem interessiert, hat inzwischen nicht nur die Wahl zwischen verschiedenen Varianten von Linux. Auch die Bücher für den Einstieg in die Welt der freien Software bieten für jeden etwas.

"Der Kofler"

In der inzwischen schon 8., überarbeiteten und erweiterten Auflage ist jetzt "Linux - Installation, Konfiguration, Anwendung" von Michael Kofler erschienen. "Der Kofler", wie er oft nur genannt wird, gilt als das Standardwerk in deutscher Sprache. Nüchtern, sachlich und verständlich geschrieben, erweckt er schon rein äußerlich mit seinen mehr als 1.300 Seiten den Eindruck, dass hier wohl keine Frage unbeantwortet bleibt.

Fundament

"Der Kofler" ist ein Buch für alle, die Linux nicht nur installieren und nutzen wollen, sondern die sich auch eingehender mit den Grundlagen beschäftigen möchten. "Dieses Buch wird das Fundament Ihres Linux-Wissens bilden", erklärt Kofler und verspricht damit wohl nicht zu viel. So beschreibt der Autor nicht nur die Installation eines Linux-Systems und die Nutzung der wichtigsten Büro-Programme, wie die Webbrowser Firefox und Konqueror oder die E-Mailprogramme Thunderbird, Evolution und Kontact. Er stellt auch die grundlegenden Unix-/Linux-Werkzeuge vor wie etwa die Konsole, die Prozessverwaltung, Netzwerk-Tools und Editoren wie Vim oder Emacs und gibt eine Einführung in die Textsatzsysteme Latex und Lyx.

Wer will, erfährt auch wie man mit Linux eine Firewall, einen Web- oder auch LAN-Server einrichtet. Auch ein Ausflug in die Grundlagen der Audio- und Video-Nutzung mit Linux fehlt nicht. Neu hinzugekommen in der 8. Auflage ist zum Beispiel der Empfang von DVB-T-Sendungen.

Anfänger

Während Kofler seit vielen Jahren bekennender Linux-Anhänger ist und es nach eigenem Bekunden "nie bereut" hat, gesteht Michael Nickles zu Beginn seines Buchs "Nickles Linux Report" offen ein: Ich bin kein Linux-Profi. Ich bin Linux-Einsteiger." Nickles ist vor allem durch seinen "PC Report" bekanntgeworden und den dort gepflegten saloppen Stil hält er auch im "Linux-Report" durch. "Der Einstieg in Linux ist brutal hart. Du kriegst nichts geschenkt, null Komma nichts", verkündet er. Wer Geduld hat, dem zeigt Nickles, was mit Linux möglich ist - vom 3D-Desktop bis zu Multimedia und einem digitalen Videorekorder. Dabei nimmt er den willigen Windows-Umsteiger an die Hand und zeigt ihm anschaulich, wie man ein Live-Linux auf dem Rechner startet, um Linux eigenständig zu testen.

Nickles spart nicht mit Kritik an Linux und denen, die es entwickeln. Er benennt Schwachstellen und Probleme, um dann wieder praxisorientiert und in klaren Schritten zum Beispiel zu erklären, wie man es sauber installiert, Musik hört oder Videos abspielen kann. Etwas deutlicher hätte er machen können, dass oft nicht Linux, sondern eine Hardware, die von Herstellern ganz auf Windows zugeschnitten wurde, dass größte Problem beim Umstieg ist. Wer einen Drucker, Scanner oder eine Webcam hat, die nur mit Windows laufen, der kann noch so viele Bücher lesen und Websites durchstöbern, die Geräte laufen nicht.

Empfehlung

Wer sich an dem eigenwilligen Stil nicht stört, findet in "Nickles Linux Report" ein Buch, das gerade Einsteigern sehr anschauliche Hilfen liefert. "Die Zeit ist reif", verkündet Nickles. "Es gibt nichts mehr, was Linux im Vergleich zu Windows nicht kann. Und es gibt immer mehr, was Linux besser als Windows kann."

Den Büchern von Nickles und Kofler liegen DVDs mit verschiedenen Linux-Distribution bei, damit Interessierte sofort loslegen können. Nickles stellt Ubuntu, Kubuntu, Knoppix und Kanotix vor. Bei Kofler sind es Ubuntu und Fedora, die Community-Version von Red Hat, dem weltweit führenden Linux-Unternehmen. Unter dem Verlag Markt + Technik erscheint Michael Nickles "Nickles Linux Report" zu einem Preis von 24,95 Euro. "Linux - Installation, Konfiguration, Anwendung" kostet - samt DVDs und Poster - stolze 59,95 Euro.(APA/red)