Mailand - Der erst seit August amtierende Alitalia-Chef Maurizio Prato hat bereits die Nase voll. Zu den Gewerkschaften geht er auf Distanz. Diese wollen den von ihm präsentierten Überlebensplan nicht akzeptieren. "Priorität ist bis Jahresende einen Käufer zu finden", meinte er vor der Presse. Derzeit seien Kontakte mit rund 20 Interessenten im Gang.

Italienische Medien nennen die französisch-holländische Fluggesellschaft Air France-KLM, die zweitgrößte italienische Fluggesellschaft Air One und die Private Equity Gesellschaft Texas Pacific Croup (TPG) als aussichtsreichste Kandidaten. TPG ist auch an der spanischen Iberia interessiert und plant angeblich ein europäisches Flugnetz aufzubauen. Bekanntlich ist der erste Anlauf zur Privatisierung der Alitalia im Juli kläglich gescheitert.

Verkalkuliert

Ursprünglich wollte der 67-jährige Staatsmanager vor den zu Wochenbeginn gestarteten Verkaufsverhandlungen die Zustimmung der Gewerkschaften gewinnen. Damit hatte er sich verkalkuliert. Ihm erging es nicht besser als seinen fünf Vorgängern, die in den letzten vier Jahren versuchten, die konkursreife Airline zu retten. Alitalia verliert eine Million Euro pro Tag und sitzt auf einer Milliarde Euro Schulden.

"Wir stehen kurz vor dem Abgrund," bestätigte Prato. Die zehn verschiedenen Gewerkschaftsgruppen, die angeblich die Interessen der Alitalia-Arbeitnehmer vertreten, wollen dies nicht zu Kenntnis nehmen. Sie haben neuerliche Streiks angekündigt. (tkb, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.9.2007)