Frankfurt - Die EZB hat dem kriselnden Geldmarkt eine zusätzliche Finanzspritze in Rekordhöhe bereitgestellt. Die Europäische Zentralbank versorgte die Geschäftsbanken am Mittwoch mit Krediten über drei Monate Laufzeit in Höhe von 75 Mrd. Euro. Die Nachfrage war enorm: 140 Banken gaben Gebote über mehr als 139 Mrd. Euro ab. Es war erst das zweite Mal in der Geschichte der EZB, dass sie den Markt außer der Reihe mit Drei-Monats-Geld versorgte. Im August hatte sie auf diese Weise schon einmal 40 Mrd. Euro in den Markt gepumpt.

Dazu veranlasst sahen sich die Währungshüter durch den Unwillen der Geschäftsbanken, sich untereinander Geld über einen längeren Zeitraum zu leihen. Weil bisher unklar ist, welche Verluste die Geldhäuser wegen der amerikanischen Immobilienkrise angehäuft haben, erlahmten zuletzt die Geschäfte am Geldmarkt. Stattdessen horten die Banken ihr Geld. Die Marktzinsen für Drei-Monats-Geld stiegen deshalb auf den höchsten Stand seit Mai 2001.

Anstieg der Marktzinsen

Die EZB sprang in die Bresche, um eine Kreditklemme und einen weiteren Anstieg der Marktzinsen zu verhindern. Sie teilte das Geld zu einem Durchschnittszins von 4,52 Prozent zu. Dieser lag unter dem des regulären Drei-Monats-Tenders von August, bei dem 50 Mrd. Euro zu durchschnittlich 4,62 Prozent zugeteilt wurden. Die Banken hatten bis zu 4,76 Prozent geboten.

Die Zinsen am Geldmarkt reagierten kaum auf die Aktion der EZB. Die Spanne zwischen An- und Verkaufskursen hielt sich bei 4,64 und 4,74 Prozent. "Das ist eine Enttäuschung für uns", sagte Geldmarkt-Experte Ciaran O'Hagan von Societe General. "Wir hatten gehofft, dass die EZB mehr Engagement an den Tag legt, um eine einwandfreie Funktion der Märkte wiederherzustellen." Der Markt habe mit einem Durchschnittszins von 4,35 bis 4,40 Prozent gerechnet. (APA/Reuters)