Der Meinl-Mohr gerät ob des heftigen Drucks von Prüfern und Anlegern ins Wanken. Ob der Fall verhindert werden kann, steht in den Sternen.

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Die Meinl-Affäre beschäftigt Anleger, Prüfer, Politik und nun auch die Justiz. Immer mehr Indizien deuten darauf hin, dass die Meinl Bank die von ihr platzierten Gesellschaften weit stärker kontrolliert, als bisher zugegeben wurde.

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Die Meinl-Affäre weitet sich aus. Die Finanzmarktaufsicht FMA hat am Mittwoch ihre Vor-Ort- Prüfung in der Meinl Bank begonnen, nun ist auch die Justiz eingeschaltet. Fußend auf einer anonymen Anzeige eines Anlegers, der sich im Rahmen der Emission der Meinl International Power durch Julius Meinl V., Karl-Heinz Grasser und Hans Haider geschädigt fühlt, geht es um den Verdacht des Betrugs und der Untreue. Die Staatsanwaltschaft will die Untersuchungen der FMA abwarten, es gilt die Unschuldsvermutung.

Damit hat die Causa, die vor Wochen mit einem voluminösen Aktienrückkauf der Meinl European Land (MEL) begann, ihren vorläufigen Höhepunkt. Weitere Facetten: Viele der rund 150.000 MEL-Anleger fühlen sich nach dem massiven Kursrutsch geschädigt und überlegen Klagen, der Finanzplatz Wien wurde ordentlich in Mitleidenschaft gezogen und der MEL-Aktie droht der Rauswurf aus dem Wiener Index für besonders potente Titel, dem ATX Prime.

Julius Meinl V. hat in der ZiB2 Meinl European Land zu "voller Offenheit und Transparenz" aufgefordert und versicherte, dass der Kurs der MEL-Papiere auf 20 bis 25 Euro zurückkommen werde. Die Frage der Meinl-Prüfung förderte auch den alten Konflikt umdie Aufsicht zutage: Nach politischen Querelen darf die Notenbank nun auch prüfen. Finanzminister Wilhelm Molterer erklärte, "die Prüfung müsse mit höchstem Tempo durchgeführt werden". Angesichts der Einschaltung der Aufsicht wird wohl bald klar sein, wer der bisher nicht genannte Eigentümer der 150 Mio. Stück Partly Paid Shares ist, über die rund ein Drittel der in Jersey domizilierten MEL kontrolliert wird. Im Markt glaubtman, dass die Namensaktien, die volles Stimmrecht garantieren und billig Schutz gegen Übernahmen bieten, im Umfeld Meinls zu finden sind.

"Habe keine MEL-Aktie"

Weder die Meinl Bank noch er selbst seien im Besitz von MEL-Papieren, sagte Julius Meinl V. in der ZiB2. Der Auftrag zum umstrittenen Aktienrückkauf "ist von der MEL gekommen", erklärte der Banker. In Finanzkreisen wird jedoch vermutet, dass die Rolle der Bank hier weit über die eines Abwicklers hinausging. Sollte sich das erhärten – ein Meinl-Sprecher dementiert das freilich –wäre das letztlich schlagend gewordene Kursrisiko an die MEL-Aktionäre weitergereicht worden. Eine Denkvariante, wie das möglicherweise abgewickelt wurde, ergibt sich aus dem Halbjahresbericht 2007. Demnach könnte ein Euro Prime Liquidity Fund mit Sitz in Curacao die Aktien – finanziert über von der MEL gezeichnete Anleihen – gekauft haben. Der Fonds steht zu 80 Prozent im MEL-Eigentum.

Eine wichtige Rolle für etwaige Schadenersatzfragen rund um die Aktienrückkäufe spielt die Frage, inwiefern die Meinl Bank möglicherweise die MEL kontrolliert hat. Detail am Rande: Wem genau die Meinl Bank gehört, ist nicht zu eruieren; im Finanzministerium weiß man nur, "dass die Familie Meinl dahinter steht". Eine gewisse Nähe von Meinls Bank zur MEL wird wohl nicht wegzudiskutieren sein. Die Meinl Bank ist Market-Maker der MEL. Zudem gehört der Bank die MEL-Management- Gesellschaft, die personell mit der Immofirma verzahnt ist und Honorare von MEL kassiert. Vom MEL-Vorstand hat sich bisher nur Wolfgang Lunardon zu Wort gemeldet, er sei über die Ereignisse nur partiell informiert gewesen, sagte er zum profil.

Julius Meinl hat sich am Dienstag auch per Brief zu Wort gemeldet: "Der Wert der MEL liegt meiner Überzeugung nach wesentlich über dem aktuellen Kurs der Aktie." Verunsicherte Anleger sollen in den nächsten Tag Post von Meinl bekommen, "mit ausführlichen Informationen", beruhigt der Banker in Reaktion auf "Diskreditierungen in der Presse". (gra, as, bpf, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.09.2007)