Verbund-Chefs Michael Pistauer....

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... und und Ulrike Baumgartner-Gabitzer wollen auf der Öko-Schiene wachsen.

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Fuschl – Jahrzehntelang stand der Verbund vor allem für Strom aus heimischer Wasserkraft. Jetzt will Österreichs größter Stromproduzent zusätzlich neue, ökologische Felder beackern. "Wir wollen in das Geschäft mit neuen Erneuerbaren Energien einsteigen", kündigte Verbund-Chef Michael Pistauer bei der Konferenz "Energy 2020" in Fuschl an. Als Ziel der Aktivitäten im Bereich Wind, Biomasse, Sonnenenergie habe man sich eine Stromproduktion von rund 400 Megawatt (MW) in den nächsten fünf Jahren gesetzt. Das entspricht der halben Leistung des thermischen Kraftwerks Dürnrohr.

Die Aktivitäten im Bereich Ökoenergie sollen in einer Tochtergesellschaft – Verbund Austrian Renewable Power GmbH – gebündelt werden, die mit gut 250 Mio. Euro Eigenkapital ausgestattet werden soll. Das Management werde "aus dem Haus" rekrutiert, die Gesellschaft fällt in den Zuständigkeitsbereich von Ulrike Baumgartner-Gabitzer, die seit Jahresanfang im Verbund-Vorstand für den Bereich Erneuerbare zuständig ist.

Öko im Ausland

Neben Projekten in Österreich will das Verbund-Management auf der Öko-Schiene auch im Ausland stark wachsen. "400 MW sind ein vorsichtig formuliertes Ziel, vielleicht erreichen wir das schon früher und bauen dann entsprechend aus", sagte Pistauer. Dezidiertes Ziel sei es, wie bei Wasserkraft auch bei Ökoenergie der Ansprechpartner Nummer eins im Lande zu werden.

Derzeit kommt der Verbund bei Wasserkraft auf eine installierte Leistung von 6900 MW. Inklusive des Hälfteanteils am Kraftwerk Dürnrohr (dessen zweiter Block gehört der niederösterreichischen EVN) kommen noch 400 MW Eigenerzeugung hinzu. Andere thermische Kraftwerksstandorte wie Zeltweg oder Voitsberg hat der Verbund in den vergangenen Jahren sukzessive geschlossen.

Umfassendes Strategiepapier

Die Expansion bei Ökostrom wird Teil eines umfassenden Strategiepapiers sein, das sich der Verbund-Vorstand vom Aufsichtsrat bei der nächsten Sitzung im November absegnen lassen will. Dabei soll die mittelfristige Ausrichtung des Verbund festgelegt werden. Das stärkste Wachstum, das aus dem Cash-flow und mittels Partnerschaften, aber ohne Kapitalerhöhung finanziert werden soll, sei auf den Auslandsmärkten zu erwarten. Neben Deutschland, dem wichtigsten Auslandsmarkt des Verbund und dem „Hoffnungsmarkt Türkei“ sei der Radar über den gesamten Balkan gelegt. "Wir wollen uns nicht verzetteln, aber ein bis zwei Projekte möchten wird in absehbarer Zeit doch realisieren", sagte Pistauer.

Partner in Russland

In Russland ist der Verbund mit seinem lokalen Partner Hydro OGK dabei, ein Wasserkraftwerkprojekt am Fluss Angara in Westsibirien zu prüfen. Das 1000 MW-Projekt (zum Vergleich: Das Kraftwerk Wien/Freudenau kommt auf 180 MW) würde insgesamt 1,9 Mrd. Euro kosten, auf den Verbund würde knapp die Hälfte entfallen. In Österreich sieht Pistauer die Zeit reif für eine Konsolidierung, man sollte aber nichts über das Bein brechen: "Wo wir gewollt sind, werden wir einsteigen." Wirtschaftsminister Martin Bartenstein hat den Verbund-Vorstand ermutigt, initiativ zu werden. "Ein neuerlicher Anlauf muss vom Management ausgehen, der Freiraum dafür ist da", hatte Bartenstein bei der Energiekonferenz gesagt. (Günter Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.9.2007)