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Foto: APA/Niko Formanek
Wien - Handfeste Probleme gibt es bei dem mit 1. Oktober geplanten Aufbau eines Tankstellennetzes für Superethanol. Bei diesem Treibstoff, der auch E85 genannt wird, sind nur mehr 15 Prozent fossiles Benzin; der große Rest besteht aus in Richtung Treibhausgas neutralem Bioethanol.

Geplant war ursprünglich, Anfang Oktober mit 15 Superethanol-Tankstellen zu starten. Fertig wird zu diesem Zeitpunkt lediglich eine Avanti-Tankstelle in Wien. Weitere vier Avanti-Tankstellen sollen laut der für Superethanol extra eingerichteten Homepage
bis Jahresende stehen. In Tirol und Vorarlberg sind von Avanti vorerst keine Tankstellen vorgesehen.

Noch mehr verspätet

Noch mehr verspätet hat sich die Genol GesmbH, einer zu RWA-Raiffeisen Ware Austria gehörende Handelsgesellschaft für Treibstoffe, die im Umfeld von Lagerhäusern Superetahnol-Tankstellen errichten will. Genol-Geschäftsführer Reinhard Wolf spricht von wasserrechtlichen Behördenverfahren, die das Projekt verzögerten. Bis Jahresende will er mit einigen Tankstellen gestartet haben.

Für Fritz Binder-Krieglstein von der Beratungsagentur Renewable Energies Consulting ist der verzögerte Start Ausfluss einer falschen Strategie. Es sei ein Fehler gewesen, die EU-Beimischungsverpflichtungen auf zwei unterschiedlichen Wegen erreichen zu wollen: Einerseits über geringere (bis zu 5,75 Prozent) Beimischung in Normalbenzin. Andererseits mit dem Aufbau einer E85-Schiene, für die es extra Autos, so genannte Flexi-Fuel-Cars, notwendig sind. "Bei allem braucht man Infrastruktur", sagt Binder-Krieglstein, "und das kostet." Die Tatsache, dass Flexi-Fuel-Autos auch mit "normalem" Superbenzin fahren können, wenn keine Ethanol-Tankstelle in der Nähe ist, dürfte den Konsumenten trotzdem nicht in Scharen zum Kauf der CO2-armen Fahrzeuge bewegen. Binder-Krieglstein verweist auf Schweden, wo man ausschließlich auf Flexi-Fuel-Cars und damit auf Superethanol gesetzt habe und damit EU-Beimischungsverpflichtungen erreichen wolle.

Nicht ohne Probleme ist die Einführung auch für die Herstellerseite von Biosprit. Der Zuckerkonzern Agrana, dessen Bioethanolwerk bei Tulln kurz vor Fertigstellung ist, muss derzeit scharf rechnen. "Wir führen Kalkulationen durch", bestätigt Agrana-Pressesprecherin Doris Schober, ohne Details nennen zu wollen. Der Agrana macht vor allem zu schaffen, dass die agrarischen Grundstoffe von Ethanol, vor allem Weizen, preislich angezogen hat. Der Preis hat sich seit dem Jahr 2005 fast verdreifacht.

MöSt-Befreiung fix

Ein Problem wurde bisher gelöst: Pünktlich zum 1. Oktober ist Superethanol von der Mineralölsteuer befreit. Trotz dieses Steuervorteils, schätzt Wolf, sei E85 kein Schnäppchen: Mit Ethanol verbrauche man für gleiche Strecken mengenmäßig mehr Sprit als mit Benzin, erklärt er: "Der Konsument steigt etwa gleich aus." (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.9.2007)