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Wien – So unnötig und uninteressant, wie von manchen Konsorten aus dem Industrie-Syndikat im Vorfeld kolportiert, dürfte der "Dialog" über die Zukunft der Austrian Research Centers (ARC) Seibersdorf am Mittwoch doch nicht gewesen sein. Anwesend waren bei dem von Staatssekretärin Christa Kranzl anberaumten Meeting – mit Ausnahme der zwei Abgesandten von Siemens und Voestalpine – überwiegend Vertreter von ARC-Aktionären, die nicht über Aufsichtsratsmandate verfügen. Die begrüßten das informelle Treffen, wie der Standard nach der Sitzung erfuhr. Was noch verlautete: Dass sich einige Aktionäre von der ARC-Geschäftsführung wünschen, dass sie die Restrukturierung schneller vorantreiben, als dies derzeit der Fall sei.

ARC-Aufsichtsratspräsident Hannes Androsch, beim „Dialog“ aus privaten Gründen nicht anwesend, betrachtet Kranzls Veranstaltung übrigens nicht als Gegenveranstaltung zum Industrie-Gipfel mit Infrastrukturminister Werner Faymann und IV-Präsident Veit Sorger am 21. September. Gelegenheit zu Beratungen zwischen Bund und Syndikatsgruppe B gibt es darüber hinaus bei der Aufsichtsratssitzung Ende September.

Eigentümerrechte bringen Pflichten

Die Unzufriedenheit der Industrie über zu starke Einmischung in das operative Geschäft in Seibersdorf kann Androsch nicht nachvollziehen: "Mit Eigentümerrechten sind auch Pflichten verbunden." Da der Bund rund 6,5 Millionen Euro zuschießen müsse, um die ARC aus ihrer finanziellen Schieflage zu befreien, sei es im Interesse des Steuerzahlers nicht unangemessen, dass er darauf schaue, wie das Geld verwendet würde. Die Restrukturierungskonzepte der ARC-Geschäftsführung seien "sicherlich noch ausbaufähig". Mehr wollte der ARC-Präsident zur schlechten Stimmung zwischen den Eigentümern nicht sagen. Zum positiven Klimawandel zwischen ARC-Organen und -Eigentümern eher nicht beitragen dürfte eine im Infrastrukturministerium aufgespürte, brisante Altlast: Im Juli 2006, unmittelbar nach Bekanntwerden des mysteriösen Liquiditätsengpasses bei den ARC, soll die damals noch aus Erich Gornik und Helmut Krünes bestehende ARC-Führung angewiesen worden sein, die Kosten für die vom Ministerium bei Personalberater Egon Zehnder International beauftragte Suche nach zwei ARC-Geschäftsführern zu tragen.

Weisung

Pikant daran: Die via Direktvergabe durchgeführte Suche (die der nunmehrige ARC-Geschäftsführer Hans Rinnhofer für sich entschied, Anm.) entsprach nicht dem Bundesvergabegesetz, weil sie mit 112.842,89 Euro den zulässigen Schwellenwert von 20.000 Euro deutlich überstieg. Zahlen mussten die ARC trotzdem, weil dies laut hohen ARC-Organen von Sektionsleiter Andreas Reichhardt und dem damaligen ARC-Präsidenten Rainer Wieltsch angewiesen worden sei. Im Ministerium versicherte man am Donnerstag, dass die Vergabe korrekt erfolgt und die inkriminierte Weisung nie in Kraft getreten sei. (Luise Ungerboeck, STANDARD, Print-Ausgabe, 14.9.2007)