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Wien - Um ihren Glauben zu verbreiten, lehnen jugendliche Muslime der zweiten Generation in Österreich Gewalt als Mittel weitgehend ab. Das geht aus einer nun in Buchform erschienenen Studie von Hilde Weiss vom Institut für Soziologie der Uni Wien hervor. Die Arbeiten für das Werk "Leben in zwei Welten" wurden vom Wissenschaftsfonds FWF unterstützt, das Buch ist im Verlag für Sozialwissenschaften erschienen.

Verhältnis zu Nicht-MuslimInnen

Muslime haben insofern eine Sonderstellung, als ihr Anteil an der Bevölkerung in den vergangenen Jahrzehnten stark zugenommen hat. Waren 1971 noch 0,3 Prozent der Wohnbevölkerung islamisch, lag der Wert 2001 bereits bei 4,2 Prozent. Die Studie der Wiener WissenschafterInnen konzentrierte sich vor allem auf eine Analyse der bereits in Österreich geborenen Jugendlichen und speziell auf deren Verhältnis zu Nicht-MuslimInnen.

Die Aussage "Für mich ist es verständlich, wenn Gewalt zur Verbreitung des Islam angewendet wird" bezeichnete ein Prozent der befragten Jugendlichen als "trifft sehr zu". Für drei Prozent trifft diese Aussage "eher zu", für 13 Prozent "eher nicht zu" und für 84 Prozent "gar nicht zu". 77 Prozent distanzieren sich von Muslimen, die in Europa Anschläge verüben ("trifft sehr zu"), 22 Prozent distanzieren sich "eher". Für ein Prozent trifft diese Distanzierung nicht zu.

81 Prozent praktizieren Islam "kaum"

Im Verhältnis zu ihrer Religion bezeichnen sich 19 Prozent der Muslime der zweiten Generation als "streng" praktizierend, 81 Prozent praktizieren den Islam dagegen kaum bis gar nicht. Besonders nachlässig sind die Jugendlichen offenbar beim Einhalten der Gebete, die fünfmal pro Tag zu verrichten wären. 66 Prozent gaben an, dass sie die rituellen Pflichtgebete "nie" verrichten, 14 Prozent beten "manchmal" und 21 Prozent halten sich "regelmäßig" an die Vorgaben.

Ramadan bedeutend

Stärker eingehalten als das regelmäßige Beten wird der Fastenmonat Ramadan - 77 Prozent halten ihn regelmäßig ein, 20 Prozent manchmal und vier Prozent nie - und das Alkoholverbot. 15 Prozent der Befragten gaben zu, regelmäßig Alkohol zu trinken, 18 Prozent manchmal und 67 Prozent nie Alkohol zu trinken.

"Der Islam verbietet mir, an der österreichischen Kultur teilzunehmen", trifft für zwei Prozent "sehr", für sechs Prozent "eher", für 21 Prozent "eher nicht" und für 71 Prozent gar nicht zu. Die Aussage "Mit Nichtmuslimen will ich nichts zu tun haben" war für Null Prozent sehr zutreffend, für vier Prozent "eher", für 31 Prozent "eher nicht" und für 66 Prozent "gar nicht" zutreffend. (APA)