Bonn - Die Indizienkette, die für enge Kontakte des ehemaligen Radstars Jan Ullrich (33) zum spanischen Dopingarzt Eufemiano Fuentes spricht, wird langsam lückenlos. Der Staatsanwaltschaft Bonn liegen Informationen vor, dass 25.000 Euro vom Schweizer Konto des Tour-de-France-Siegers 1997 an Fuentes überwiesen worden sind. Außerdem sei ein "deutlich höherer Betrag" Anfang 2006 vom Ullrich-Konto an dieselbe Bank in Madrid gezahlt worden, allerdings ohne Empfängerangabe, sagte Staatsanwalt Jörg Schindler. Man sei dabei, die zweite Überweisung noch genau zuzuordnen.

Gut und Blut

Ullrich bestreitet weiterhin jede Manipulation und auch jeden Kontakt zu Fuentes. Allerdings waren ihm bereits 4,5 Liter beim Arzt in Madrid deponiertes Blut per DNA-Vergleich eindeutig zugeordnet worden. Dennoch ist mit der Entscheidung über eine Anklage gegen Ullrich "noch eine ganze Weile" nicht zu rechnen, erklärte Schindler. "Wir haben den Fakt, dass Ullrichs Blut bei Fuentes lagerte, und wir haben den Fakt zumindest einer Zahlung von Ullrich an Fuentes. Daraus sind jetzt Schlüsse zu ziehen." Man sei auf Indizien angewiesen, weil vonseiten Ullrichs keine Kooperation zu erwarten sei. Der Rechtsfall sei komplex. "Es geht hier nicht um Fahren ohne Führerschein." Aber: "Durch den Beweis der Konto-Bewegung sind wir einen Schritt weiter." Schindler muss "ein Mosaiksteinchen zum anderen fügen" und auf die Freigabe jener Unterlagen, die bei der Durchsuchung des Ullrich-Hauses im Schweizer Scherzingen beschlagnahmt wurden, warten.

Behauptung und Klage

Die Ermittlungen der spanischen Polizei zur so genannten Operacion Puerto mit Razzien, Hausdurchsuchungen und Festnahmen hatten frühzeitig zahlreiche Hinweise darauf ergeben, dass Ullrich einer von Dutzenden Fuentes-Klienten war. Der Heidelberger Dopingexperte Werner Franke behauptet, Ullrich habe Fuentes mindestens 35.000 Euro für Dopingmittel bezahlt. Gegen diese Behauptung hatte der Rostocker in Hamburg eine Einstweilige Verfügung erwirkt. Das Hauptverfahren läuft noch.

Ullrich hatte seine Karriere Ende Februar dieses Jahres offiziell beendet, nachdem er nach der Trennung von T-Mobile vor der Tour de France 2006 keinen neuen Rennstall gefunden hatte. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 14. September 2007, red)