Der abgefeierte Kannibale (Deutscher isst Österreicher", Quelle: Bild-Zeitung), ist aus den fetten Schlagzeilen verschwunden und hat Anführungszeichen oder sogar das enttäuschend abschwächende Vorwörtchen "mutmaßlich" verpasst bekommen. Professionell trist verpackte Botschaften wie "Angst vor Jobverlust sinkt auf Rekordtief" (Quelle: Krone) stellen sich auf den zweiten Blick als gute Nachrichten heraus. Aber keine Sorge, zu fürchten gibt es genug: Österreich wird wieder Fußball spielen. Winter, Kriminaltouristen und Meinl-Aktie werden um die Wette einbrechen. Und noch gar nicht absehbar in der Gefahr des Bösen, dem besten journalistischen Geschäft: der Internet-Islamismus im Lande. Jeder stille Nachbar kann eine Terrorzelle sein. Als Kontrapunkt eine Episode wie aus einer anderen Welt: Anna B. beobachtete frühmorgens bei der U-Bahn-Station Schweglerstraße, wie der Dienst versehende Beamte der Wiener Linien einem dunkelhäutigen Augustin-Verkäufer ein Häferl mit Kaffee in die Hand drückte. Diese wärmende Geste, die dort übrigens zum Alltag gehört, tat Anna B. so gut, dass sie der Stationsaufsicht am Abend eine große Packung Kaffee vorbeibrachte. (Daniel Glattauer/DER STANDARD – Printausgabe, 15./16.9.2007)