Wien - Meinl-Bank-Chef Julius Meinl V. sieht nach wie vor nur ein "Kommunikationsdesaster" rund um die Papiere der börsenotierten Meinl European Land (MEL), die der MEL und der Bank Sonderprüfungen der Aufsicht bescherten. Die Marke "Meinl" hält er nicht für kaputt, vorübergehend aber in Mitleidenschaft gezogen. Verloren sei noch nichts. Angekündigt hat er am Samstag in der Ö1-Hörfunkreihe "Im Journal zu Gast", dass sich die MEL künftig den heimischen Börse-Verhaltensregeln unterwerfen wird. Hartnäckig verschwiegen wird, wem die so genannten "Partly Paid Shares" gehören.

Meinl bestätigte, dass zwischen Bank und MEL sehr wohl eine Verbindung bestehe. "Und zwar im Namen", nicht aber im aktuellen Management der Gesellschaft, wie er beteuerte. Das "Wir" sei die "Klammer des Namens". Wolle man auf den internationalen Kapitalmärkten bestehen, sei es schon wichtig, auch die Unabhängigkeit einer Gesellschaft darzustellen. Eine Tochtergesellschaft der Bank (Meinl European Real Estate) manage das operative Immobiliengeschäft als Dienstleister für die MEL.

Interesse am Rande

"Natürlich tangieren oder interessieren mich die Geschäfte der MEL am Rande", so Meinl heute. Sein Vorstandskollege in der Bank, Peter Weinzierl, sitzt zugleich im Board der Meinl European Real Estate. Sicher habe man auch immer gesprochen. Also auch über den Zertifikaterückkauf der MEL (für 1,8 Mrd. Euro). Die Papiere seien ja im Rahmen des Market Maker Agreement erworben worden. "Uns war natürlich allen bekannt, dass das passiert".

Von Meinl European Land selbst forderte er heute "Offenheit und Transparenz" und auch Änderungen in der "Verpackung". Finanzminister Wilhelm Molterer hätte richtig gesagt, für MEL gelten die österreichischen Börsegesetze. Dort, wo sie auf österreichisches Aktienrecht verwiesen, gälten sie nicht, sagt Meinl. Etwa bei der ad-hoc-Pflicht beim Rückkauf der Aktien. "Meine Forderung: Dass sich MEL ganz dem österreichischen Corporate Governance Codex anschließt".

"Falsch kommuniziert"

Dass der Rückkauf der MEL-Papiere nicht entsprechend nach außen kommuniziert wurde, sei daran gelegen, dass es nur eine ad-hoc-Pflicht für eigene Aktien, nicht aber für Zertifikate gebe. Meinl gab aber zu: "Falsch kommuniziert. Kapitalmarktmäßig war das nicht richtig".

Dass ein "Desaster" in der Öffentlichkeitsarbeit passiert ist, unterschreibt Meinl "voll und ganz". Dass Anleger mit der Werbelinie für diese Papiere, wo ja Vergleiche mit einem Sparschwein gezogen wurden und Sicherheit suggeriert worden war, hinters Licht geführt wurden, wies er aber "aufs Schärfste zurück". "Wir haben das nicht gut genug erklärt".

Weiter nicht erklären will sich Meinl darüber, wem die 150 Millionen "Parly Paid Shares" gehören. Er könne nur für sich selbst und die Bank sprechen: Diese teileingezahlten Aktien gehörten "weder der Bank direkt oder indirekt noch mir". Alle anderen Fragen müssten an die Gesellschaft (MEL) gerichtet werden. Die PPS seien nicht notierte Aktien, für die bestehe keine Publizitätspflicht. Wem sie gehören, "da müssen Sie die Gesellschaft fragen". Auf Nachfrage, ob er es nicht wisse oder nicht sagen dürfe, gab es ebenfalls nur die selbe Antwort: "Da müssen Sie die Gesellschaft fragen".

Meinl und MEL haben die Prüfer der FMA im Haus. Nachgegangen wird u.a. dem Verdacht auf Marktmanipulation, Insiderhandel und Verletzung der Publizitätspflichten. Der Bank-Chef ist zuversichtlich, dass sich im Raum stehende Vorwürfe nicht konkretisieren lassen werden. Er sagte "völlige Offenheit" gegenüber den Behörden (FMA, Notenbank) zu. Und er lässt nur den Vorwurf "ungeschickte Information" gelten.

"Ich der Schuldige?"

Wer Schuld trage? "Ich lese überall, dass ich der Schuldige bin, das muss ich zur Kenntnis nehmen". Ein Kursverfall sorge immer für Aufregung. Vor allem wenn viele Private involviert seien. Neuerlich stellte Meinl den Vorwurf in den Raum, dass immer mehr Meinungsträger, Medien und öffentliche Institutionen auf den Zug aufgesprungen seien und dafür gesorgt hätten, dass der Preis weiter unter Druck kam. Gewinn gemacht habe das "internationale Kapital". Damit sprach Meinl Shortgeschäfte von Spekulanten an. Die MEL-Aktie sei Spielball des internationalen Kapitals. Er fürchtet, dass nun "Heuschrecken" die MEL ins Visier nehmen.

Er werde "alles in meiner Macht stehende" tun, dass der Aktienkurs wieder steigt, vesicherte Meinl. Ob Jersey Firmensitz der MEL bleibt, sei nicht seine Entscheidung. Das hätten die MEL-Aktionäre und Zertifikate-Inhaber zu entscheiden. Im übrigen nutzten die weltgrößten Banken, Versicherungen und Finanzistitutionen Jeresy und Jersey-Fonds für Produkte, die sie weltweit vertrieben. So schlecht könne das also nicht sein.

Den Namen "Meinl" soll die bis jetzt in Jersey ansässige, aber in Wien börsenotierte MEL behalten. Den Namensbestandteil "Meinl" von dort zurückzuziehen, "wäre Kindesweglegung. Das tue ich sicher nicht", versicherte der Banker. "Die Marke ist ident mit meinem Namen."

(APA)