Das Terrornetzwerk Al-Kaida versteht sich auf effektvolle Botschaften. Pünktlich zum Jahrestag der 9/11-Terroranschläge meldete sich Oberterrorist Osama Bin Laden mit seinem neusten Video zu Wort. Jetzt will die irakische Filiale der Terrorgruppe ausreichend medial gewürdigt werden: ein Kopfgeld auf den schwedischen Künstler Lars Vilks und den Chefredakteur Ulf Johansson - das sorgt für Schlagzeilen und für Angst.

Damit dürfte die Al-Kaida im Irak den Großteil dessen erreicht haben, was sie mit dem Aufruf bezweckt hat. Das Netzwerk lebt davon, Ängste vor einer diffusen Bedrohung zu schüren. Es geht um Machtdemonstration, den Schock-Effekt - gerade zu einer Zeit, in der das Netzwerk im Irak durch eine Antiterror-Offensive wieder stärker unter Druck gerät. Erst am Samstag sollen Truppen 14 mutmaßliche Al-Kaida-Leute getötet und 17 gefangen genommen haben.

Trotzdem ist das verbale Muskelspiel nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Die Illusion, vor Mordanschlägen gefeit zu sein, ist den Schweden spätestens durch den (nicht islamistisch motivierten) Mord an der früheren Außenministerin Anna Lindh vor ziemlich genau vier Jahren genommen worden. Und was extremistisch-islamistische Hetze auch in Europa bei radikalen Muslimen auslösen kann, ist in einer Reihe von Drohungen, Anschlägen und gescheiterten Anschlagsversuchen in der EU eindrucksvoll zu beobachten - auch in Österreich.

Mit dem Mordaufruf machen sich die Terroristen der Al-Kaida aber auch zum selbst ernannten Sprachrohr aller Muslime, die sich von der schwedischen Zeichnung betroffen fühlen - und fördern damit die Gefahr einer Gleichsetzung von Terror und Islam. Dass der Schwedische Rat der Muslime die Drohung als "kriminell" verurteilt, ist ein Kontra-Statement, dem sich muslimische Organisationen europaweit anschließen sollten. (DER STANDARD, Printausgabe, 17.9.2007)