Wien - Die Ertragslage der in Österreich meldepflichtigen Kreditinstitute hat sich heuer im ersten Halbjahr weiter verbessert. Bis zum Jahresende rechnen die hierzulande tätigen Banken daher mit einer kräftigen Gewinnsteigerung - das unkonsolidierte Betriebsergebnis werde voraussichtlich um 12,5 Prozent auf 6,07 Mrd. Euro zulegen, teilte die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) heute, Montag, mit.

Der Wertberichtigungsbedarf im Kreditbereich wird mit 1,26 Mrd. Euro um 23,2 Prozent deutlich unter dem Schätzwert des Vorjahres angesetzt. Bei den Wertberichtigungen auf Wertpapiere und Beteiligungen werde mit einem Überhang aus der Auflösung in der Höhe von rund 400 Mio. Euro gerechnet. Unter Einbeziehung sämtlicher Bewertungsmaßnahmen und Risikokosten erwarteten die heimischen Banken heuer einen Jahresüberschuss von 4,69 Mrd. Euro - dieser Schätzwert liegt um 21 Prozent über dem Jahresüberschuss des Vorjahres (3,88 Mrd. Euro).

In den ersten sechs Monaten 2007 sei aufgrund steigender Betriebserträge (plus 5,8 Prozent auf 8,53 Mrd. Euro) und abgeschwächter Wachstumsraten bei den Betriebsaufwendungen (minus 2,5 Prozent auf 5,30 Mrd. Euro) mit 62,1 Prozent "ein neuer Bestwert für die unkonsolidierte Cost-Income-Ratio" (CIR) präsentiert worden, so die OeNB. Im ersten Quartal 2007 war die Kosten-Ertrags-Relation mit 61,7 Prozent allerdings etwas besser ausgefallen.

Internationaler Vergleich

Der internationale Vergleich lässt die Performance zusätzlich verblassen: Die globalen ertragsstarken Banken weisen bei dieser wichtigen Bankkennzahl durchaus auch eine Kosten-Ertrags-Relation von 50 Prozent aus.

Die steigenden Marktzinssätze führten in den ersten sechs Monaten zu einer signifikanten Erhöhung der Zinsen und zinsähnlichen Erträge um 30,1 Prozent (4,09 Mrd. Euro) auf 17,72 Mrd. Euro sowie zu einem Anstieg der Zinsen und zinsähnlichen Aufwendungen um 40,7 Prozent (4,09 Mrd. Euro) auf 14,15 Mrd. Euro. Aufgrund des volumenmäßig gleich hohen Wachstums blieb der Nettozinsertrag unverändert bei 3,57 Mrd. Euro.

Die Erträge aus Wertpapieren und Beteiligungen der Banken erhöhten sich zum Halbjahr um 15,7 Prozent auf 1,39 Mrd. Euro. Der Zuwachs basierte laut OeNB hauptsächlich auf den Erträgen aus Aktien, Anteilsrechten und nicht festverzinslichen Wertpapieren, die sich - nach einem Rückgang in der Vergleichsperiode des Vorjahres - heuer zum Halbjahr um 24,2 Prozent auf 0,49 Mrd. Euro verbesserten.

Der Saldo aus dem Provisionsgeschäft stieg in der Berichtsperiode um 13,1 Prozent auf 2,45 Mrd. Euro. Die Provisionsaufwendungen sind gegenüber dem ersten Halbjahr 2006 um 1,4 Prozent auf rund 920 Mio. Euro leicht gesunken - im Vergleichszeitraum 2006 hatten sie noch um 35,6 Prozent auf rund 930 Mio. Euro massiv zugelegt. Vor allem die Provisionsaufwendungen aus dem Wertpapiergeschäft sind heuer zum Halbjahr um 4,9 Prozent auf rund 520 Mio. Euro zurückgegangen. Parallel dazu erhöhten sich die Provisionserträge um 8,7 Prozent auf 3,37 Mrd. Euro.

Insgesamt stiegen die Betriebserträge um 5,8 Prozent auf 8,53 Mrd. Euro. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres lag der Zuwachs den Angaben zufolge noch bei 7,1 Prozent.

Steigende Kosten für Aufwendungen

Die Betriebsaufwendungen sind zum Halbjahr mit einem Plus von 2,5 Prozent auf 5,30 Mrd. Euro deutlich schwächer gewachsen als in der Vergleichsperiode (plus 7,2 Prozent). Auch der Anstieg der der allgemeinen Verwaltungsaufwendungen hat sich mit plus 2,9 Prozent auf 4,45 Mrd. Euro eingebremst - im ersten Halbjahr 2006 hatten diese Aufwendungen noch um 7 Prozent zugelegt. Gleiches gilt für den Personalaufwand: Dieser nahm heuer um 1,1 Prozent auf 30 Mio. Euro zu - gegenüber einem Plus von 8,5 Prozent auf 21 Mio. Euro in der Vergleichsperiode 2006, das auf einen einmaligen Sondereffekt - der verstärkten Dotierung von Pensionsrückstellungen - zurückzuführen war. Im 1. Halbjahr 2007 kam es nun zur Auflösung dieser Pensionsrückstellungen.

Stärker als zuletzt zugelegt hat dafür der Sachaufwand - um 5,5 Prozent auf 1,80 Mrd. Euro. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres lag der Zuwachs bei 4,8 Prozent. (APA)