STANDARD: Welche Rolle spielen junge Menschen bei den Grünen?

Mair: Es gibt schon einige junge Leute, besonders in der Lokalpolitik. Die Parteispitze hat aber ein Problem: Junge Leute wollen ihnen potenziell irgendwann ihren Platz wegnehmen. Außerdem sind ihnen die Jungen meistens zu links. Die Clique, die sich da gebildet hat rund um Dieter Brosz, Michaela Sburny, Doris Schmidauer und Lothar Lockl, arbeitet daran, dass zu linke Leute nicht weiterkommen.

Einer der großen Verdienste von Dieter Brosz ist es, dass die Partei in den vergangenen Jahren zu einem riesengroßen Fehlervermeidungsapparat geworden ist. Aber junge Leute machen nun einmal Fehler. Die Bundespartei arbeitet daran, dass das Bild nicht mehr in der Öffentlichkeit entsteht, dass die Grünen streiten - genau mit dem gegenteiligen Effekt.

STANDARD: Ärgert Sie diese Entwicklung?

Mair: Ich ärgere mich über viele Dinge - zum Beispiel wenn Sascha Van der Bellen uns ausrichtet, er ist schon offen für junge Leute in der Partei, aber die sollen erst einmal Berufserfahrung sammeln. Das ist wie in der Wirtschaft: Du sollst 20 sein, aber mindestens fünf Jahre Berufserfahrung haben. Außerdem sollte es der grüne Ansatz sein, politisch unterrepräsentierte gesellschaftliche Gruppen stärker zu repräsentieren. Deswegen haben wir Politiker mit Behinderung oder Migrationshintergrund. Aber wir Jungen bekommen gesagt, jung sein ist keine Qualifikation.

STANDARD: Was sind Ihrer Meinung nach junge Themen, bei denen sich die Grünen zu wenig engagieren?

Mair: Wenn sich junge Leute für Politik interessieren, dann geht es meistens um das große gesellschaftspolitische Fragen. Da trauen sich die Grünen nach außen nicht drüber. Klar ist der Klimawandel total wichtig, und ich finde es auch wichtig dass Passivhäuser gebaut werden - aber mit meiner Lebensrealität hat das nichts zu tun.

Meine Fragen sind: Wie schaut's im Studium aus, wie finanziere ich meine Miete, wie sieht es mit Geschlechtergerechtigkeit aus, wie geht die Partei mit dem Thema Homosexualität um. Es gibt ein paar Themen, die finden die Grünen grundsätzlich schon wichtig, aber wenn es darauf ankommt, wollen sie lieber Fehler vermeiden.

STANDARD: Heißt das, die alten Menschen in der Partei vergessen auf die jungen Themen?

Mair: Die alten Menschen würde ich nicht sagen. Es gibt ja auch grüne Senioren, denen geht es ähnlich wie uns. Die grüne Führungsspitze, das sind im Wesentlichen Leute zwischen 45 und 55, die jetzt ökonomisch starke Generation. Für die wird Politik gemacht, das entspricht ihrer Lebensrealität. Deswegen wollen wir ja, dass junge Leute etwas zu sagen haben: Weil sie andere Prioritäten haben. Da kann der Van der Bellen noch dreimal sagen, dass das keine Qualifikation ist. Ich bin Student, und ich hab's halt nicht gern, wenn ich im Fernsehen höre, die Grünen schaffen die Studiengebühren nicht ab.

STANDARD: Wie leicht oder wie schwer ist es denn für Junge, in die Partei reinzukommen?

Mair: In der Partei sind grundsätzlich alle willkommen. Die Parteispitze aber schaut sehr stark darauf, dass auf der Entscheidungsebene nicht zu viele Neue dazukommen. Die Bundespartei wollte auch meine Wiederwahl in den erweiterten Bundesvorstand verhindern. Und ich bin da kein Einzelfall.

STANDARD: Sind die Tage von Alexander Van der Bellen als Parteichef gezählt?

Mair: Es geht weniger um Van der Bellen als Person, sondern um die Struktur der Partei. Es gibt aber ein Tabu bei den Grünen, Leute abzuwählen. Das trifft nicht nur auf den Bundessprecher zu, aber auch - ein logischer Effekt, wenn eine Partei zu einem Fehlervermeidungsapparat wird. Die Alternativen halten sich ohnehin in Grenzen. Denn in der Bundespartei wird ständig versucht, zu mauern und zu verhindern. (DER STANDARD, Printausgabe, 18.9. 2007)