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Kreditnehmer, die Ausleihungen in fremder Währung wollen, setzen derzeit auf die tschechische Krone.

Foto: Reuters/Petr Josek
Kredite in fremder Währung waren in den vergangenen Jahren vor allem für Häuslbauer interessant. Sie haben auf den japanischen Yen und vor allem den Schweizer Franken gesetzt. Die Yen-Kredite sind zuletzt stark zurückgegangen, weil die Währung gegenüber dem Euro nicht mehr so attraktiv gewesen ist. Der Schweizer Franken notiert im Moment sehr schwach und ist ebenfalls für eine Neuaufnahme unattraktiv. Das Risiko, dass die Schweizer Währung steigt, ist im Moment nämlich groß.

Kreditnehmer haben diese Währungsentwicklungen bereits in ihre Finanzierungsvorhaben aufgenommen. Ausleihungen in fremder Währung sind im zweiten Quartal zurückgegangen, wie die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) erhoben hat. Im Vergleich zum ersten Quartal sind die Fremdwährungskredite von April bis Juni um 2,6 auf 48,7 Milliarden Euro gesunken. Den stärksten Rückgang haben die privaten Haushalte verzeichnet (minus 1,4 Mrd. Euro). Aber auch bei den Unternehmen haben sich die Kredite in fremder Währung mit minus 0,8 Mrd. Euro rückläufig entwickelt. Wird Kapital in einer fremden Währung neu aufgenommen, so ist derzeit laut OeNB eine Verschiebung bei den Kreditwährungen zu beobachten. Eine starke Wachstumsdynamik ist bei den so genannten sonstigen EU-Währungen zu beobachten – plus zehn Prozent im Vergleich zum Vorquartal bzw. plus 75 Prozent im Vergleich zum Dezember 2006 – allen voran bei der tschechischen Krone.

14 der 27 Länder in Europa verfügen noch über eine eigene Landeswährung. 62,8 Prozent des Bestandes (in Summe 501 Millionen Euro) der Ausleihungen in sonstigen EU-Währungen wurden zuletzt in tschechischen Kronen vergeben. "Viele Kreditnehmer sind derzeit auf der Suche nach einer Währung, die ein gutes Zinsniveau bietet", sagt Manfred Katzenschlager aus dem Produktmanagement Finanzierungen der Erste Bank.

Eine Abwertung der Krone würde die Kreditlast reduzieren. Die im Vergleich zum Euroland niedrigen Zinsen in Tschechien würden die Krone jedoch nur auf den ersten Blick als attraktive Finanzierungswährung erscheinen lassen, heißt es warnend in einer Währungsanalyse der Erste Bank.

Denn im Unterschied zu Japan und der Schweiz ist die volkswirtschaftliche Produktion in Tschechien noch immer auf relativ niedrigem Niveau. Derzeit gebe es keinen Grund, warum sich der Aufholprozess der vergangenen Jahre nicht auch während der kommenden Jahre fortsetzen sollte. Die tschechische Wirtschaft werde daher auf absehbare Zeit in Relation stärker wachsen als jene Japans, der Schweiz oder des Eurolands. Damit verbunden sei auch ein anhaltend höheres Produktivitätswachstum, was sich in einer Befestigung der tschechischen Krone widerspiegeln sollte. Einen großen Vorteil hätten Kreditnehmer dann nicht mehr.

Risiko ist hoch

Die tschechische Volkswirtschaft ist im Vergleich zu anderen osteuropäischen Ländern weiters relativ klein und daher anfälliger für Turbulenzen. Daher sollte man beim Geldausleihen sehr vorsichtig agieren, raten Experten.

"Ein weiteres Argument zur Vorsicht ist die bevorstehende Konvergenz zum Euro", sagt Wolfgang Schilk, Bereichsleiter für das Kreditgeschäft in Österreich der Bank Austria Creditanstalt. Tschechien will der Währungsunion beitreten, 2011 oder 2012 könnte es so weit sein. Der Wechselkurs zum Euro wird also in den nächsten Jahren festgesetzt. Damit steige aber das Risiko, dass der Wechselkurs hoch ist und die Krone sich damit als unattraktiv herausstellt. "Die Konvergenz ist derzeit nicht einschätzbar", sagt Schilk. Damit bestünde die Gefahr, dass diese Kredite eine kurzfristige Spekulation bleiben. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.09.2007)