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Auch die Planung des Minaretts in Telfs hatte zu hitzigen Diskussionen geführt. Gebaut wurde es aber dennoch.

Foto: AP/ KERSTIN JOENSSON
Von Markus Rohrhofer

Linz – Noch in lebhafter Erinnerung sind die umstrittenen FPÖ-Wahlslogans wie "Pummerin statt Muezzin", "Wien darf nicht Istanbul werden" oder "Deutsch statt nix verstehen" aus dem Wiener Gemeinderatswahlkampf 2005. Jetzt scheint sich die FPÖ in Linz mittels geplanter Volksbefragung zum blauen Feldzug gegen den Islam zu rüsten.

Gar erzürnt hat die Freiheitlichen im Linzer Gemeinderat der geplante Bau eines islamischen Kulturzentrums auf einem rund 6000 Quadratmeter großen Areal in Voest-Nähe. Und sie zieht mit Parteichef Heinz-Christian Strache im blauen Kampf gegen islamische Gotteshäuser gleich. Obwohl heute, Donnerstag, in einer Sitzung des Linzer Gemeinderats vorerst lediglich unter dem Tagesordnungspunkt "Änderungsplan Nr. 19 zum Örtlichen Entwicklungskonzept, Teilkonzept Ost, Wahringerstraße – Seelsorge- und Kultureinrichtung" die Umwidmung des für das Kulturzentrum vorgesehene Areal beschlossen wird, bastelt die FPÖ bereits an groß angelegten Protestmaßnahmen.

Integration gefährdet

"Die Bevölkerung wünscht von uns, dass wir entsprechende Schritte gegen diese Monster-Moschee setzen", gibt der Linzer FPÖ-Fraktionschef im Standard-Gespräch die Richtung vor. Der Einwand, dass gar keine Moschee, sondern ein islamisches Kulturzentrum mit einem Gebetsraum geplant sei, spielt aus Sicht des FPÖ-Stadtchefs "keine große Rolle".

Untermauert wird das blaue Nein mit integrationspolitischen Argumenten. "Solche Bauten sind für eine gesunde Integration völlig kontraproduktiv, die reinste Gettoisierung", kritisiert Traxlmayr. Ob und wann man mit einer Volksbefragung gegen das geplante Kulturzentrum starte, sei derzeit noch offen. Auch, ob man eine mögliche Befragung des Volkes nur im Linzer Raum oder doch auf ganz Oberösterreich ausweitet, sei noch nicht fixiert. "Es wird heute Abend ein Treffen mit der Landespartei geben. Da entscheiden wir dann weitere Schritte", kündigte Traxlmayr am Mittwoch an.

Politstreit mit plakativen Slogans

Abgesehen vom Politstreit mit plakativen Slogans dürfte der Zusammenschluss mit der Landesspitze auch finanzielle Gründe haben. In der Kassa der Linzer FPÖ herrscht dem Vernehmen nach Ebbe, eine Volksbefragung wäre also ohne Hilfe der Landespartei kaum zu realisieren.

Jede Gemeinschaft braucht einen Raum

Abseits der Tagespolitik hat sich auch der Linzer Diözesanbischof Ludwig Schwarz in die Diskussion um das geplante islamische Zentrum eingeschaltet. "Die katholische Kirche ist immer für Religionsfreiheit eingetreten. Jede Gemeinschaft braucht einen Raum, um sich zum Gebet zu treffen", sagte Schwarz zum Standard. Es müsse ja "nicht gleich eine Moschee mit einem Minarett sein, aber gegen ein Zentrum spricht nichts", stellte der Bischof klar. (Markus Rohrhofer/ DER STANDARD Printausgabe 20.9.2007)