Mario Frontini hat vor drei Monaten das Management des "Fidelity European Aggressive Fonds" übernommen und das Portfolio zu Beginn seiner Amtszeit auf neue Beine gestellt. "Der Pharmaanteil war zu groß, den habe ich abgebaut", sagt Frontini. Ebenfalls reduziert wurden die Anteile aus dem Bereich Medien und Konsumgüter. Neu aufgenommen wurden Verbraucher, Finanztitel und IT-Werte. Jetzt sei die Zusammensetzung des Portfolios "angemessen", sagt Frontini zum STANDARD.

Dennoch will sich der Fondsmanager mehr auf den Bereich "mid caps" – also Mittelstandsunternehmen – konzentrieren. Rund zwei Unternehmen nimmt Frontini unter die Lupe, wenn er unterwegs ist. Derzeit hat der Fondsmanager zwischen 15 und 20 Aktien im Portfolio, den größten Bereich macht derzeit der Sektor Roh- und Werkstoffe aus, gefolgt von Versorgern und Industrietitel. Der Fonds setzt ausschließlich auf europäische Unternehmen. "Aggressiv" wird der Fonds deshalb genannt, weil "der Fondsmanager nach freiem Ermessen Aktien kleiner, großer und mittlerer Unternehmen kaufen kann", erklärt Frontini. Die jeweilige Titelauswahl erfolgt dabei unabhängig von der Unternehmensgröße oder einer bestimmten Branche.

Wenig Streuung Die Aufteilung der Branchen ist damit ein reines Nebenprodukt der gezielten Einzeltitelauswahl – "stock picking"-Ansatz (siehe Wissen). Der Fonds besteht damit typischerweise aus einer kleineren Anzahl von Unternehmen und stellt damit aber auch ein weniger stark diversifiziertes Portfolio dar, heißt es dazu im Fact-Sheet zum Fonds. Anlegern, die auf diesen Fonds setzen, sollte daher bewusst sein, dass mit dieser Art der Veranlagung ein höheres Risiko getragen werden muss. Von den aktuellen Turbulenzen auf den Finanzmärkten sei Frontinis Fonds "nur marginal betroffen, weil der Anteil von Finanzwerten nicht sehr hoch ist". Auch in diesem Bereich gilt für den Experten der Ansatz, die kleinen, versteckten Perlen zu finden und nicht unbedingt auf die großen Institute zu setzen. Griechenland ist für den italienischen Fondsmanager in diesem Bereich ein "attraktives Gebiet". In Griechenland gebe es derzeit zwar sehr viele Bank-Zweigstellen, allerdings gebe es Nachholbedarf an verschiedenen Bankprodukten.

Im Bereich Energie, der durch die aktuelle Umweltdiskussion permanent im Fokus steht, sei es schwer, noch unterbewertete Papiere zu finden. Frontini setzt daher auf den Bereich Atomenergie und auf Zulieferer für diese Energieform, etwa Eléctricité de France oder Eon, die zusätzlich durch Expansionspläne für eine gute Fantasie sorgen.

Als Region wird Russland für Frontini immer wichtiger. Vor allem im Infrastrukturbereich gebe es ein enormes Aufholpotenzial und die Olympischen Winterspiele in Sotchi sorgen für Aufträge. (bpf, DER STANDARD Printausgabe, 20.9.2007)