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Tausende Menschen nahmen am Freitag an den Trauerfeierlichkeiten für den ermordeten antisyrischen Parlamentsabgeordneten Antoine Ghanem teil.

REUTERS/Jamal Saidi
Beirut - Im Libanon haben am Freitag tausende Menschen die Beisetzung des ermordeten antisyrischen Parlamentariers Antoine Ghanem zum Anlass genommen, ein Festhalten an der für kommende Woche geplanten Präsidentenwahl zu fordern. "Die Krise wird nur gelöst werden, wenn wir einen neuen Präsidenten wählen", sagte der ehemalige Staatspräsident (1982-88) Amin Gemayel, dessen Sohn Pierre im November 2006 als Industrieminister einem Terroranschlag zum Opfer gefallen war. Der am Mittwoch bei einem Attentat mit einer ferngezündeten Bombe im Osten Beiruts ums Leben gekommene Ghanem gehörte Gemayels christlicher Falange-Partei (Kataeb) an. Das Parlament in Beirut soll am Dienstag einen Nachfolger für Staatspräsident Emile Lahoud wählen, dessen Amtszeit am 24. November endet.

"Die libanesische Erde ist mit dem Blut unserer Märtyrer getränkt!", sagte Gemayel bei dem Trauergottesdienst in der maronitischen Sacré-Coeur-Kirche in Beirut. "Dein Martyrium verpflichtet uns, die Wahl durchzuführen", wandte er sich an den Toten. "Diejenigen, die dem Libanon schaden wollen, werden nicht aufhören, wenn wir ihnen nicht Einhalt gebieten", fügte der Ex-Präsident hinzu. Durch den Tod Ghanems schmilzt die antisyrische Mehrheit in dem 128 Mitglieder zählenden Parlament auf 68. Ministerpräsident Fouad Siniora hatte am Donnerstag erklärt, das Land werde sich nicht dem Terror beugen. Die Einberufung des Parlaments bleibe aufrecht, gab ein Kabinettssprecher bekannt. Die Maroniten als größte christliche Gemeinschaft im Libanon stellen auf Grundlage des "Nationalpakts" von 1943, der den Konfessionsproporz festlegt, den Staatspräsidenten.

Syrien verantwortlich gemacht

Der Trauerzug wurde von dem Drusenführer und Chef der zur Regierungsmehrheit gehörenden Sozialistischen Fortschrittspartei (PSP) Walid Joumblatt angeführt. Joumblatt beschuldigte Syrien, hinter dem Attentat zu stecken. Die Trauernden wollten zeigen, dass sie sich nicht einschüchtern ließen. An dem Trauergottesdienst nahmen auch Botschafter westlicher Staaten teil.

Bei dem Anschlag am Mittwoch waren im Osten von Beirut sechs Menschen getötet worden. Seit 2005 ist Ghanem der achte antisyrische Politiker, der ermordet wurde. Der Mord am früheren Regierungschef Rafik Hariri im Februar 2005 in Beirut hatte die antisyrische "Zedernrevolution" ausgelöst, die zusammen mit internationalem Druck den Abzug der syrischen Armee nach 29-jähriger Präsenz aus dem Libanon erzwang.

UNO-Sicherheitsrat verurteilt Anschlag

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verurteilte in New York den Mordanschlag auf Ghanem und verlangte ein sofortiges Ende der Attentate. Der politische Prozess im Libanon dürfe von solchen Versuchen der Destabilisierung nicht behindert werden, hieß es in einer Erklärung des französischen Ratspräsidenten Jean-Maurice Ripert. Die iranische Regierung hat Israel für den Mordanschlag verantwortlich gemacht. Der "terroristische Akt" sei "das Ergebnis eines zionistischen Komplotts" zur weiteren Destabilisierung des Libanon, erklärte in Teheran ein Außenamtssprecher. Damit sollten offenkundig die laufenden Initiativen mit dem Ziel einer Konsenslösung für die Präsidentenwahl torpediert werden.

In einer Erklärung der maronitischen Bischöfe hieß es, das "Schicksal der libanesischen Nation" hänge von der Präsidentenwahl ab. Unter dem Vorsitz des Patriarchen Kardinal Nasrallah Boutros Sfeir hat die Bischofskonferenz an alle Parlamentsmitglieder eindringlich appelliert, die Wahl nicht zu boykottieren, denn der Libanon befinde sich "am Rande des Abgrunds". In seiner Residenz in Bkerke empfing Sfeir den US-Botschafter in Beirut, Jeffrey Feltman. Dieser drückte ihm die Unterstützung der US-Regierung für den Standpunkt der Bischöfe aus. Politische Beobachter in Beirut setzten unterdessen große Erwartungen in ein angeblich bevorstehendes Treffen des Patriarchen mit dem zur Opposition gehörenden schiitischen Parlamentspräsidenten Nabih Berri. (APA/dpa)