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Zwei Jahre vor dem großen Jubiläum zum Fall der Berliner Mauer nimmt das Mediengetöse um die deutsche Wiedervereinigung bereits beträchtliche Ausmaße an.

Die Natur dieses historischen Ereignisses ist für Fictionprogramme wie geschaffen: Eine lange, leidvoll erlebte Trennung findet mit einem letztendlich doch überraschenden Happyend ihren Höhepunkt: Eine Geschichte, die wie geschaffen für Autoren von Telenovelas ist.

Entsprechend rührselig fallen Mauerfallfilme aus. Einiges davon erwartet den Fernsehzuschauer demnächst: Veronica Ferres spielt etwa am 30. September bzw. 1. Oktober "Die Frau vom Checkpoint Charlie" (ORF 2, ARD): Eine Ostdeutsche, die in den 80er-Jahren von der Stasi bespitzelt und nach einem Fluchtversuch inhaftiert wird.

Stichwörter, die für gewöhnlich mit solchen Filmen einhergehen, können gleichzeitig Warnung sein: Wahre Begebenheit! Große Schauspielkunst! In "Heimweh nach drüben" (ARD) zeigt Wolfgang Stumph am 3. Oktober humorvolle Seiten der DDR. Darüber konnte man schon in "Go, Trabi, Go" nicht lachen. Im Werden ist "Der Untergang der DDR", Sat.1 kündigt den Zweiteiler als "Event" an.

Einiges von dieser Anmutung ist auch am Sonntag in "Prager Botschaft" (RTL, 20.15) zu finden. Die an mehreren Einzelschicksalen dargestellte Massenflucht im September 1989, die schließlich den Fall der Mauer herbeiführte, entgeht im zweiten Drittel ihrer rührseligen Bestimmung nicht. Durchaus genau gezeichnete Momente enthält der Film aber in der Schilderung des Lebens der Menschen, die in der Botschaft einer ungewissen Zukunft entgegen blicken. Zu danken ist weiters Annette Kim Sarnau für bis zum Schluss total unaffektiertes Schauspiel. (prie/DER STANDARD; Printausgabe, 22./23.9. 2007)