Wien - Als "unschöne Geschichte" bezeichnete Erste Bank-Chef Andreas Treichl, die jüngsten Turbulenzen rund um die Meinl Bank und Meinl European Land (MEL). "Ich glaube nicht, dass man viel darüber reden sollte wenn man die Hintergründe nicht kennt, aber die Optik ist grauenhaft", sagte Treichl heute, Sonntag, in der Ö3-Sendung "Frühstück bei mir" mit Claudia Stöckl.

Natürlich seien die Kleinanleger verunsichert, so Treichl weiter, man könne nur hoffen, dass "die Realität nicht so ist, wie die Optik". Er persönlich habe durch Meinl European Land nichts verloren, seiner Frau dagegen habe man einige MEL-Papiere in ihr Portfolio eingestellt.

Dass er mit der Familie von Julius Meinl V. befreundet sei, sei eine starke Übertreibung. Er kenne ihn gut, habe aber professionell nichts miteinander zutun gehabt. "Und er hat auch eine ganz andere Einstellung als ich, weil er nicht versteht, was ich mache und warum ich das mache und ich in einer anderen geschäftlichen Welt lebe", so Treichl.

Entspricht nicht meinen Vorstellungen

"Meine Nutzen-Ertrags-Realtion entspricht nicht seinen Vorstellungen", konkretisiert Treichl, Meinl arbeite wesentlich gewinnorientierter. "Ich glaub' nicht, dass er in meinem Job sehr gut wäre, dass er es sehr gerne machen würde, dass es ihn sehr interessieren würde, und mich interessiert sein Job nicht."

Er kenne viele Leute, die in der Welt von Meinl lebten, auch sein Bruder (Michael, Anm.), und diese Welt interessiere ihn überhaupt nicht. Wie berichtet ist laut früheren Angaben von Meinl Michael Treichl mit an Bord der vom ehemaligen Finanzminister Karl-Heinz Grasser geleiteten Management-Gesellschaft der Meinl International Power (MIP).

"Kenne viele Superreiche"

"Ich kenn' viele Superreiche, die tun mir alle leid", so der Erste Bank-Chef. Bei den meisten dieser Superreichen krache es irgendwo im Familienleben, sie hätten extremen Stress, "weil sie 25 Häuser auf den schönsten Plätzen der Welt haben und nicht wissen, wann sie in welches fahren sollen und mit welchem Flieger und dazwischen noch auf Yachten gehen - und dann auch noch diese entsetzliche Belastung, wenn man irgendwo mit dem Privatjet landet, dann steht einer daneben, der ist größer. Dann muss man sich wieder einen Neuen kaufen", so Treichl.

"Die Menschen, die sich das alles nicht leisten können, aber trotzdem ein herrliches Leben führen können, so wie ich, sind extrem glücklich", so der Erste Bank-Chef. (APA)