Sie liebt mich, sie liebt mich nicht ... Die Strabag und die Börse haben ein zwiespältiges Verhältnis. Kommt die Baufirma wie bereits zweimal angekündigt, oder lässt sie es sein?

Foto: Standard/Matthias Cremer
Wien – Die Ostbankenholding Raiffeisen International (Emissionsvolumen 1,2 Mrd. Euro) RI) und Wienerberger (459 Mio. Euro) trotzen der Krise an den internationalen Finanzmärkten und holen sich derzeit via Kapitalerhöhung frisches Geld von der Börse. Sollten die beiden Emissionen gut gehen, dürfte auch die Strabag (mindestens 1,3 Mrd. Euro) ihr Versprechen wahr machen. Vorausgesetzt die Preisvorstellungen von Großaktionär Oleg Deripaska werden erfüllt. In den Startlöchern steht überdies der Wiener Familienbetrieb Frequentis, Erzeuger von Flugleitsystemen, der sich auf sein Börsendebüt vorbereitet.

Gerhard Grund, Vorstand der Raiffeisen Centrobank, ist grundsätzlich optimistisch: "Man muss differenzieren, es gibt großes Interesse der Investoren für die Good Old Economy und für Titel mit Ostphantasie, da sehe ich keine Problemle, die Aktien zu platzieren." Bei Wienerberger sieht Grund überhaupt kein Problem, die Aktien zu platzieren. "Niemand zweifelt daran, dass das Wirtschaftswachstum in Zentral- und Osteuropa anhält. Und solange die Zinsen nicht steigen, wird sich daran nichts ändern", sagte Grund zum Standard. Auch der Investmentbanker Willi Hemetsberger, Vorstand der UniCredit, der die Wienerberger-Emission begleitet, sieht die Lage am Aktienmarkt "relativ entspannt". Die Krise sei wohl noch nicht ganz vorbei, "aber jetzt gibt es sowohl bei Krediten als auch bei Aktien eine klare Sicht auf Qualität".

Es gibt aber auch kritische Stimmen, die bei Wienerberger wenig Phantasie sehen. Die Bauindustrie habe ihren Zenit erreicht, heißt es. Skeptisch wird daher auch die Strabag beurteilt. Sie habe mit Deripaska einen 30 Prozent Eigentümer, dessen Geschäftspolitik man nicht kenne. "Dort fahre ich mit einem Schiff, von dem ich nicht weiß, wo es hingesteuert wird", wird kritisiert. Und Analyst Alfred Reisenberger von der UniCredit bezeichnet die Preisvorstellungen als "Pferdefuß" der Emission. Da müsse man trotz guter Börsenstimmung derzeit flexibel sein. Gut gehen sollte Raiffeisen International (RI).

RI-Boss Herbert Stepic sagte jüngst, die aktuelle Entwicklung werde zu einer Trennung der Spreu vom Weizen führen. Dem schloss sich Hemetsberger am Montag an. Wienerberger-Chef Wolfgang Reithofer will den Emissionserlös (Maximalpreis 58 Euro pro Aktie, Zeichnungsfrist bis 8. Oktober, Bezugsverhältnis 15 zu 2) für günstige Zukäufe nutzen. Nicht zuletzt, weil der Konkurrenzdruck der stark kreditfinanzierten Privat Equity-Firmen geringer wurde, "weil die jetzt auch selektiver vorgehen". In den vergangenen zwölf Monaten war Wienerberger bei zwei Großakquisitionen von Finanzinvestoren überboten worden (bei Lafarge Roofing und bei Terreal).

Vor allem aber plant Wienerberger allein in Osteuropa in den nächsten fünf Jahren 25 neue Werke zu errichten. Hauptzielmärkte sind Russland, Rumänien, Bulgarien, Polen und die Ukraine. Reithofer: "Wir wollen eine gesicherte finanzielle Basis und nicht auf dem Rücken unserer Aktionäre spekulieren".

In Deutschland sind die Aktien des Entsorgungsdienstleisters Envio bei ihrem Börsendebüt am Montag mit Kursgewinnen gestartet. Gerade abgesagt wurden die Börsengänge des weltgrößten Alu-Herstellers Rusal (gehört zu Deripaska) und des Überwachungskamera-Anbieters Mobotix. Der Holzverarbeiter Delignit konnte nur rund ein Viertel seiner angebotenen Aktien bei Investoren unterbringen. (Claudia Ruff, Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.09.2007)