Wien/Belgrad - Serbien, einst wichtigste Volkswirtschaft auf dem Balkan, liegt derzeit nach Angaben ausländischer Beobachter etwas in Agonie, wirtschaftlich wie politisch gesehen: "Der Handel zwischen Österreich und Serbien läuft sehr gut, jedes Jahr gibt es zweistellige Zuwachsraten. Der Zuwachs bei den österreichischen Niederlassungen ist allerdings sehr zurück gegangen", berichtet etwa Herbert Preclik, seit sieben Jahren Österreichs Außenhandelsdelegierter in Belgrad, bei einem Kurzbesuch in Wien im Gespräch mit dem Standard.

"Das Schwierigste am serbischen Markt ist, die Unternehmen überhaupt zu überzeugen, dorthin zu gehen," sagte Preclik. Derzeit gibt es 230 Niederlassungen österreichischer Firmen in Serbien. Am besten etabliert sind die Banken (Raiffeisen ist Marktführer) und Versicherungen.

Dringend benötigen würde das Land neue Supermärkte, Baumärkte und auch Hotels, ist Preclik überzeugt. Doch die Investoren kämen nicht, weil die Frage des Grunderwerbs in Serbien nach wie vor in der Luft hänge.

Mangel an Kooperation

Es gibt zwar einen Gesetzesentwurf, der den Kauf von Grund und Boden durch Investoren regelt und bei Streitigkeiten über den wahren Eigentümer den Staat als Kompensator in die Pflicht nimmt. Doch der zuletzt initiativ gewordene Minister ist seit Mai, als sich die aktuelle Koalitionsregierung in Belgrad konstituiert hat, nicht mehr im Amt. Seitdem geht in der Sache wenig weiter, auch, weil es zwischen manchen Ministerien keine Kooperationen gibt. Ein weiteres Problem ist, dass die Grundstücke in den Ballungszentren derzeit in der Hand weniger serbischer Oligarchen sind. Diese warteten, bis die Preise weiter stiegen, sagte Preclik.

Auch bei der Privatisierung gehe es derzeit "eher schleppend" voran. Eigentlich wollte Serbien längst alle Staatsbetriebe in neue Hände gelegt haben, es sind aber noch immer 300 Unternehmen auf der Verkaufsliste, darunter zwei staatliche Raffinerien (Nis), wobei die OMV genau so interessiert ist wie Hellenic Petrol oder russische Riesen wie Lukoil.

Für österreichische Firmen gäbe es aber an sich Zukunftsfelder. Preclik: "Wirtschaftsminister Mladjan Dinkic sagt, bis 2015 sollen 15 Milliarden Euro in Energie, Wasser und Abfallwirtschaft investiert werden." (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.09.2007)