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Die Entschuldigung von Mattel-Manager Debrowski bezog sich auf Spielzeug mit mangelhaft angebrachten Magneten.

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Chinas Fernsehstationen konnten die Szene nicht oft genug wiederholen: Als der Vice President des US-Spielzeugherstellers Mattel, Thomas Debrowski, vergangenen Freitag dem Minister für Qualitätskontrolle, Li Changjiang, gegenübersaß, filmten Pekings-TV-Reporter mit und nahmen jedes Wort auf. Debrowski entschuldigte sich für mangelhafte Spielwaren, an denen Mattel, nicht aber Chinas Hersteller Schuld tragen würden: "Mattel übernimmt die volle Verantwortung für jene Rückrufaktionen. Ich möchte mich persönlich bei Ihnen, der chinesischen Bevölkerung und allen Kunden entschuldigen."

China Daily kommentierte: "Endlich kommt es zur Entschuldigung." Andere Medien stellten es so dar, als ob der Mattel-Manager Abbitte für allen Imageschaden geleistet hätte, die Chinas Hersteller in jüngster Zeit weltweit erlitten.

Dabei wollte sich Debrowski nur in einem besonders folgenschweren Fall entschuldigen, bei dem Mattel 17,4 Millionen Spielzeuge wegen falsch angebrachter Magnete zurückrufen ließ. Er bezog sich weder auf die 2,2 Millionen Mattel-Spielzeuge, die wegen Bleifarbe aus dem Verkehr gezogen wurden, noch auf die zahlreichen Skandale mit anderen gefährlichen Produkten. Sein Eingeständnis des Design-Fehlers bei den Magneten, den Mattel allein zu verantworten hat, war auch nicht neu.

Vorwurf

In den USA wurde Mattel, die 65 Prozent ihres Spielzeugs in China herstellen, prompt vorgeworfen, sich in Peking anbiedern zu wollen. "Unsere tiefe Genugtuung" über die Äußerungen Debrowskis "sind auch eine Reaktion auf unsere pauschale Verunglimpfung", erklärte Chinas Wirtschaftspresse. Mängelprodukte machten nur einen Bruchteil der 22 Milliarden Spielwaren aus, die China 2006 für das Ausland produzierte und mit denen es auf 60 Prozent Weltmarktanteil kam. Jetzt seien auch die US-Medien an der Reihe, sich zu entschuldigen.

Chinas Minister für Qualitätskontrolle Li Changjiang bewahrte dagegen Augenmaß. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Xinhua sagte er, dass im Fall Mattel beide Seiten Verantwortung übernehmen. China habe wegen der Verwendung von verbotenen Bleifarben vier Beteiligte verhaftet. Bei einer landesweiten Kontrolle seien zudem 300 Unternehmen die Geschäftslizenz entzogen worden. (Johnny Erling aus Peking/DER STANDARD – Printausgabe, 25.9.2007)