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"Die Biobeimischung darf, auch wenn sie ein positives Signal für die Umwelt ist, für die Konsumenten keinen Cent mehr bedeuten", fordert der ÖAMTC.

Foto: APA/dpa/Frank Rumpenhorst
Wien - Der Dieselpreis an den österreichischen Tankstellen ist weiter auf Rekordjagd. Nachdem er erst vergangene Woche einen historischen Höchststand erreicht hatte, legte er heute noch einmal zu. Er verteuerte sich innerhalb einer Woche um 0,3 Cent auf 1,085 Euro, teilte der ARBÖ am Dienstag mit.

Und er kritisierte, dass der Preisanstieg nicht der Entwicklung am Weltmarkt entspreche. Denn im August des Vorjahres, als Diesel mit 1,081 Euro sein damals historisches "All-time-High" hatte, war der Weltmarktpreis in Euro höher als jetzt. Kritik kommt auch an der Regierung, denn die Erhöhung der Mineralölsteuer Anfang Juli würde nun voll durchschlagen.

Wie der ÖAMTC am Montag warnte, könnte der Zusatz von knapp fünf Prozent Ethanol zum Benzin mit 1. Oktober 2007 den Benzinpreis nach oben schnellen lassen. Von Landwirtschafts- und Umweltminister Josef Pröll (VP) und der Mineralölindustrie wird dies zwar bestritten, aber laut Automobilklubs hat dies auch bei der Einführung eines Biotreibstoffzusatzes bei Diesel zu einer verdeckten Preiserhöhung geführt.

Heftige Kritik

Dank einer Umstellung bei der österreichischen Berechnung der EU-Nettopreise für Treibstoffe sank jedenfalls der Dieselnettopreis in Österreich - allerdings nur rechnerisch. Eine Methode, die von den Automobilklubs heftig kritisiert wurde. Beide fordern nun, dass bei den Preismeldungen für den wöchentlichen EU-weiten Kraftstoff-Preisvergleich der Steuersatz für Biobenzin und Biodiesel angegeben werden soll.

Fakt ist, dass der Zusatz von Biotreibstoffen bei Benzin die Kosten für die Mineralölindustrie erhöht. Um diese Mehrkosten zu kompensieren, sind die Biotreibstoffe von der Mineralölsteuer (MöSt.) befreit. Ob dies ausreicht, um die höheren Aufwendungen zu kompensieren gehen die Meinungen auseinander - eine Umstellung auf die alte Berechnungsmethode würde jedenfalls die wahren Preise leichter sichtbar machen, so die Automobilklubs in der Vergangenheit.

Eine Tankstelle

Mit 1. Oktober sollte auch der Startschuss zur flächendeckenden Einführung des Benzin-Ersatzes Superethanol erfolgen - doch es gibt dann erst eine Tankstelle in Österreich. Angekündigt wurden von Pröll und der Mineralölindustrie 15 Tankstellen.

Ein weiterer Rückschlag für den Biotreibstoff-Boom kam vor wenigen Tagen durch den Zucker- und Stärkeproduzenten Agrana. Er verschob den Vollbetrieb des Bioethanolwerks in Pischelsdorf um ein halbes Jahr auf das Frühjahr 2008. Grund dafür seien die hohen Getreidepreise, so die Agrana vergangene Woche.

Über die ökologische Sinnhaftigkeit des Einsatzes von Biokraftstoffen gehen die Meinungen auseinander. Zwar ist unbestritten, dass eine Alternative für fossile Treibstoffe gefunden werden muss, dass dafür aber die Regenwälder in Asien und Südamerika für den Anbau von Energie-Pflanzen gerodet werden, gilt als kontraproduktiv für das Klima. Schließlich sind die Regenwälder riesige CO2-Speicher.

Marktverzerrung

So warnt etwa die OECD vor der staatlichen Förderung von Biotreibstoff. Eine Marktverzerrung zugunsten dieser alternativen Energie-Formen führe zu steigenden Nahrungsmittelpreisen und zur Zerstörung von natürlichen Lebensräumen, ohne große Auswirkungen auf den Klimaschutz zu haben, so die Organisation in einem internen Arbeitspapier.

Die Energie-Abhängigkeit vom Ausland vermindert der Biotreibstoff-Einsatz jedenfalls nur gering. Schließlich kommt ein Großteil des Rohstoffes für Biodiesel und Biobenzin aus dem Ausland - primär aus Südostasien und Südamerika. (APA)