Bregenz - "Die Textilindustrie ist keine sterbende Branche", sagte Peter Pfneisl, Präsident des Fachverbandes, am Rande der 57. Jahrestagung der Textilindustrie in Bregenz. Die beste Chance, den "täglichen ganz normalen Wahnsinn" der Billigimporte aus Asien zu überleben, bieten, so Pfneisl, Nischenprodukte.

So verzeichneten Teppiche und Möbelstoffe (plus 28 Prozent) und Spezialgewebe (plus 16,8 Prozent) im ersten Halbjahr die größten Exportsteigerungen. Ein Exportplus von insgesamt 4,3 Prozent auf 1,19 Mrd. Euro stimmen die Branche optimistisch für 2007. Die Hoffnungsmärkte liegen im Osten, am stärksten steigt die Nachfrage aus Russland.

"Enorme Lohnkosten"

Die Produktion textiler Basisprodukte hätte in Europa kaum mehr Chancen, sagte Dionys Lehner, CEO der Linz Textil Gruppe. Die "weltweit höchsten Energiekosten" machten Europa ebenso wettbewerbsunfähig, wie die "enormen Lohnkosten". Während ein ungelernter Textilarbeiter in Europa 15 Euro pro Stunde bekomme, sind es in China nur 0,51 Cents. Entsprechend verlagert habe sich der Verbrauch von Baumwollfasern: In Europa ging er in den vergangenen zehn Jahren um 66 Prozent zurück, in China stieg er um 150 Prozent.

"Billigimporte sind nicht immer gute und gesunde Produkte", verwies Pfneisl auf fehlende Öko- und Produktionsstandards. Deshalb fordere man von der EU schärfere Richtlinien für Importe. Nur die Produktion nach europäischen Standards garantiere schadstofffreie Textilien, sagte Lehner. Wie wissen Konsumenten, ob ein Stoff in Europa produziert wurde? Die Antwort der Textiler ist einfach: "Gar nicht." Auch bei hochpreisigen Textilien fehle die Verpflichtung, die Herkunft auszuzeichnen. Pfneisl und Lehner kritisierten den Handel, der sich gegen die Deklarationen wehre. Pfneisl: "Der Handel hat Interesse, die Herkunft zu verschleiern." Wer garantiert, dass ein europäisches Markenprodukt in Europa erzeugt wurde? Lehner: "Diese Garantie gibt es nicht." (Jutta Berger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.9.2007)