Wien - Alle angehenden Pharmazeuten, Biologen und Betriebswirtschafter in Wien können erst einmal aufatmen. In diesen Fächern will die Haupt-Uni im kommenden Wintersemester keine Auswahlverfahren anwenden - obwohl sie das dürfte: Pharmazie, Biologie und Betriebswirtschaft gehören zu jenen acht Fächern, in denen das Universitätsgesetz seit 2005 einen beschränkten Hochschulzugang vorsieht. Am Montag hat Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) eine Gesetzesnovelle in Begutachtung geschickt, mit der die Zugangsbeschränkungen bis 2009 verlängert werden sollen. Betroffen sind weiters Human-, Tier- und Zahnmedizin sowie Psychologie und Publizistik. Ob die jeweilige Universität tatsächlich den Zugang beschränkt, liegt im Ermessen des Rektorats.

"Die Studierendenzahlen sind - wenn auch mit Mühe - bewältigbar", argumentiert Vize-Rektor Arthur Mettinger, warum die Uni Wien nur bedingt von dieser Möglichkeit Gebrauch macht. Anders sieht die Situation in Publizistik und Psychologie aus: Dort gibt es im ersten Semester vorbereitende Vorlesungen mit anschließenden Prüfungen. An der Wirtschaftsuniversität wiederum gibt es eine "Studieneingangsphase". Wer die entsprechenden Prüfungen nicht absolviert, fliegt zwar nicht - der Studienfortschritt wird aber bedeutend verlangsamt. Die WU ist, wie am Dienstag bekannt wurde, "Rekordhalter" in Sachen Betreuungsverhältnis: Ein Professor muss sich dort um 298 Studierende kümmern.

Medizin-Platzmangel

An den österreichischen Medizin-Unis gehören Aufnahmetests längst zum Alltag. 1440 Studienplätze gibt es derzeit österreichweit an der Humanmedizin, dafür haben sich 6500 junge Menschen angemeldet. Allein in Wien sind 2500 potenzielle Mediziner zum so genannten "EMS-Test" angetreten. Der Test wird derzeit evaluiert - auffällig war vor allem das schlechtere Abschneiden von Frauen.

Die Aufstockung der Studienplätze, die sowohl die Österreichische Hochschülerschaft als auch die SPÖ fordert, hält man an den Med-Unis trotzdem nicht für sinnvoll: Eine Erhöhung sei vielleicht bei Studien wie Publizistik möglich, sagt der Vize-Rektor der Grazer Medizin-Universität Gilbert Reibnegger. Beim Medizinstudium gebe es aber in der Zusammenarbeit mit den Kliniken "strukturelle Begrenzungen". Daher seien die Zugangsbeschränkungen die "einzig faire Lösung". Dem stimmt man auch in Wien zu: Das Medizinstudium sei stark praxisorientiert, spätestens im zweiten Abschnitt gebe es bei einer Aufstockung zu wenig Kapazitäten für Praktika und Laborplätze.

Zugangsbeschränkungen gibt es auch an der Uni Graz. In Psychologie, Biologie, Molekularbiologie und Pharmazie wartet auf die Bewerber eine Prüfung vor Studienbeginn. Doch Test ist nicht gleich Test: Angehende Biologen, Molekularbiologen und Pharmazeuten beschäftigen sich gerade in Einführungsveranstaltungen mit Grundwissen und werden dann auch darüber abgeprüft. Bei Psychologiekandidaten wurde dagegen Anfang September Maturawissen abgefragt. 320 Bewerber traten an, 253 dürfen ab Oktober in Graz studieren.

Auch wer in Salzburg Psychologie studieren will, musste, genauso wie bei der Kommunikationswissenschaft, einen Aufnahmetest durchlaufen. Zugangsbeschränkungen gibt es auch für Biologie und Molekulare Biowissenschaft, allerdings entscheiden hier vier Prüfungen während des ersten Semesters über die Studienplätze.

Deutsche "Flüchtlinge"

Froh ist man über die Verlängerung der Zugangsbeschränkungen in jenen Fächern, in denen der Ansturm aus dem Ausland sehr groß ist. Speziell aus Deutschland flüchten viele Studenten vor dem Numerus clausus (NC), also dem Abschlussnotendurchschnitt, der bei den deutschen Nachbarn für die Zulassung zum Studium herangezogen wird.

Besonders viele "NC-Flüchtlinge" gibt es an der Wiener Veterinärmedizin: 57 Prozent der rund 1000 Bewerber kommen aus Deutschland, ins Studium selbst schaffen es knapp 40 Prozent. Die 283 Studienplätze werden mittels einem vierstufigen Auswahlverfahren vergeben. "Die Verlängerung der Zugangsbeschränkungen ist für uns überlebensnotwendig", findet daher Vize-Rektor Wolfgang Künzel. Zudem habe sich der Studienerfolg drastisch verbessert, die Studienzeit für den ersten Abschnitt sei geringer, die Noten besser.

Auf die gesteigerte Abschlussquote verweist man auch an der Med-Uni Graz. Dort führt man das aber auch auf das höhere Niveau durch den eigenen Aufnahmetest zurück. Um diesen zu bestehen, müssen die angehenden Studierenden nämlich "wirklich lernen", argumentierte Reibnegger. Mit ein Grund, warum die Zahl deutscher Bewerber in Graz rückläufig sei, so der Vize-Rektor. Bei einer neuerlichen Öffnung des Studiums wären aber "sofort wieder 2000 Deutsche da". (Andrea Heigl Philip Schmid/DER STANDARD Printausgabe, 26. September 2007)