Browns in Afrika vielerseits als Affront gewerteter Kommentar im Wortlaut:

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Die Berichte dieser Woche aus Simbabwe haben in aller Deutlichkeit gezeigt, wie furchtbar und tragisch die Lage der Bevölkerung Simbabwes jetzt ist. Die Fakten sind krass: Vier Millionen Menschen haben das Land verlassen, 80 Prozent der Bevölkerung sind ohne Arbeit, bis zum Jahresende werden an die vier Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen sein, und die durchschnittliche Lebenserwartung ist auf 37 Jahre zurückgegangen.

Es gibt keine einfache Lösung, um dieses Leiden zu beenden. Aber ich werde mich dafür einsetzen, dass Großbritannien weiterhin alles tut, um den Menschen in Simbabwe zu helfen.

Wir sind derzeit der zweitgrößte Geber von Entwicklungshilfe in Simbabwe, wir stellen annähernd 40 Millionen Pfund (umgerechnet ca. 60 Mio. Euro) jährlich für humanitäre Hilfe und HIV/AIDS-Behandlung für die bedürftigste Bevölkerungsgruppe bereit. Die britische Regierung hat soeben bekannt gegeben, dass sie Simbabwe dieses Jahr über das Welternährungsprogramm zusätzlich 8 Millionen Pfund (ca. 12 Mio. Euro) zur Verfügung stellt.

Aber das allein genügt nicht. Gemeinsam mit unseren internationalen Partnern müssen wir die Regierung Simbabwes stärker unter Druck setzen, damit sie Veränderungen zulässt.

Wir werden dafür sorgen, dass die Sanktionen der EU gegenüber 131 Personen der simbabwischen Führungselite, die Menschenrechtsverletzungen begangen haben - darunter auch Präsident Mugabe selbst -, aufrechterhalten und falls nötig auf weitere Personen ausgedehnt werden. Unseren Partnern in der EU werden wir die Ernennung eines Sonderbeauftragten vorschlagen, der den Übergang des Landes zur Demokratie unterstützen soll.

Wir werden auch den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen dringend auffordern, die Lage vor Ort regelmäßiger zu überprüfen und eine humanitäre Mission nach Simbabwe zu entsenden.

Außerdem müssen wir die Präsidenten Tansanias und Südafrikas, Kikwete und Mbeki, in ihren Bemühungen unterstützen, durch Verhandlungen eine Rückkehr Simbabwes zur Demokratie zu erreichen.

Und wir selbst müssen bereit sein für den Tag, an dem die Demokratie in Simbabwe wieder Einzug hält.

Zusammen mit afrikanischen Ländern und internationalen Partnern arbeiten wir daran, ein langfristiges Wiederaufbaupaket für Simbabwe zu schnüren, damit die wirtschaftliche Erholung des Landes beginnen kann, sobald die Bedingungen dafür gegeben sind. Das Paket wird Maßnahmen beinhalten, die es dem Land ermöglichen sollen, seine Wirtschaft wieder in Gang zu bringen und zu stabilisieren, die Umschuldung und den Schuldenabbau voranzubringen, Fachkräfte, die das Land verlassen haben, bei der Rückkehr zu unterstützen, Schulen und Krankenhäuser zu modernisieren und, was besonders wichtig ist, endlich eine gerechte Landreform durchzuführen. Und Großbritannien steht bereit, seinen Beitrag zu diesem Unterfangen zu leisten.

Ich will aber an dieser Stelle auch meine Haltung zu dem bevorstehenden EU-Afrika-Gipfel unmissverständlich klar machen. Ich möchte, dass dieser Gipfel -unter dem Vorsitz von Portugals Premierminister Socrates - ein wirklicher Erfolg wird. Der Gipfel ist eine ernsthafte Chance, eine starke Partnerschaft zwischen der Europäischen Union und Afrika aufzubauen, die den Kampf gegen die Armut und den Schutz des Klimas voranbringt, und uns auf neue Initiativen für Bildung, Gesundheit und Friedenssicherung zu verständigen.

Präsident Mugabe ist der einzige afrikanische Staatschef, gegen den die EU ein Einreiseverbot verhängt hat. Das hat seinen Grund - er misshandelt sein eigenes Volk. Es gibt keinerlei Freiheit in Simbabwe: keine Vereinigungsfreiheit, keine Pressefreiheit. Und Folter und massive Einschüchterung der politischen Opposition sind an der Tagesordnung.

Wenn Präsident Mugabe am EU-Afrika-Gipfel teilnähme, würde das die Aufhebung des Einreiseverbots bedeuten, das wir in der EU gemeinschaftlich gegen ihn verhängt haben. Ich bin der Meinung, dass Präsident Mugabes Anwesenheit den Gipfel untergraben und das Augenmerk von den wichtigen Fragen, die gelöst werden müssen, ablenken würde. Unter solchen Umständen halte ich meine Teilnahme für nicht angebracht.

Großbritannien wird sich vor seiner Verantwortung gegenüber den Menschen in Simbabwe nicht drücken, und ich werde mich entschieden dafür einsetzen, dass wir alles in unseren Kräften Stehende tun, um den Simbabwern zu helfen, für sich selbst und für ihre Kinder eine bessere Zukunft zu schaffen.

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James Gordon Brown (Jg. 1951) ist seit 27. Juni 2007 britischer Premierminister; der Beitrag erschien wenige Tage vor seiner ersten Parteitagsrede im "Independent". (DER STANDARD, Pritnausgabe, 26.9.2007)