Drei Monate hat sich der Vorstand der OMV Zeit gelassen, um öffentlich zu sagen, was die Spatzen längst vom Dach gepfiffen haben: Er will die ungarische Mineralölgesellschaft Mol, und zwar so sehr, dass er bereit ist, auch einen saftigen Aufpreis dafür zu zahlen. Im Juni, als der heimische Branchenprimus die Aufstockung der Anteile am ungarischen Pendant aus aktienrechtlichen Gründen bekannt geben musste, drückten sich die zuständigen Herren noch herum. Von einer "Vertiefung der Allianz" war die Rede und dass man mit dem Mol-Management in Gespräche treten wolle, um mögliche Formen der Kooperation auszuloten.

Dazu ist es nie gekommen, weil die Herren im Vorstand der Mol (Frauen sind dort genauso wenig vertreten wie bei der OMV) davon nichts wissen wollten. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Jetzt, ein Vierteljahr und etliche Sticheleien später, ist die Katze zwar aus dem Sack, der Ausgang der Geschichte aber offener denn je.

Auch wenn man es nicht wahrhaben will angesichts der vielen, vollmundigen Sonntagsreden, wie schön doch das gemeinsame Europa sei und dass die Unternehmen über die nationalen Grenzen hinweg zusammenwachsen sollten: der angestrebte Zusammenschluss ist eine zutiefst politische Angelegenheit.

Da hilft es wenig, auf die Ungarn hinzuhauen und die seltsame Allianz anzuprangern, die sich im Abwehrkampf gegen das als unfreundlich eingestufte OMV-Ansinnen gebildet hat. Nicht vorzustellen, was in Österreich los wäre, würde die OMV von einem ausländischen Unternehmen "eingeladen", sich doch gefälligst unter dessen Dach zu stellen.

Vom Ausverkauf einer Perle wäre die Rede - mindestens. Und dass dies unbedingt verhindert werden müsse. Auch wenn sie sonst ständig streiten, die Regierungsparteien SPÖ und ÖVP wären inklusive Opposition in dieser Angelegenheit garantiert einer Meinung: Die OMV muss österreichisch bleiben.

Dabei hätte ein Zusammengehen von OMV und Mol durchaus Charme - weniger für die Autofahrer, die Benzin oder Diesel an den OMV- oder Mol-Zapfsäulen genauso billig (wenig wahrscheinlich) oder teuer (schon wahrscheinlicher) bekommen würden wie wenn beide getrennt weitermarschieren würden. Um so mehr Charme hätte eine Verschränkung von OMV und Mol zur OMOL für die Aktionäre. Beide Unternehmen zusammen würden zu einer respektablen Größe im wachstumsstarken Donauraum aufsteigen. Die OMV brächte ein weit verzweigtes Tankstellennetz mit in die Ehe sowie interessante Öl- und Gasreserven, die ihr mit der vor zwei Jahren erfolgten Mehrheitsübernahme der rumänischen Petrom zugeflossen sind. Die Mol hat exzellente Kontakte nach Russland und ist dort im Gegensatz zur OMV auch schon bei der Suche nach Öl und Gas aktiv. Ein spezielles Asset der Mol aber sind die Raffinerien Százhalombatta bei Budapest und Slovnaft in Bratislava. Letztere haben die Ungarn der OMV vor sieben Jahren vor der Nase weggeschnappt.

Die Raffinerien sind hoch profitabel, und darauf spezialisiert, billigere russische Ölsorten zu verarbeiten. Nach Schwechat zur gleichnamigen Raffinerie der OMV sind es nur 50 Kilometer. - Ein Leichtes, beide miteinander zu verbinden und je nach Bedarf und Marktlage Rohöl und/oder Diesel und Benzin einmal von Osten nach Westen und einmal in umgekehrter Richtung zu schicken. Damit ließen sich sicher Kosten einsparen, die ein verschränktes Unternehmen OMOL noch profitabler machen und den Aktienkurs in die Höhe treiben könnten.

Könnten, weil derzeit alles in Schwebe ist. Ohne die Zustimmung der Regierung in Budapest geht gar nichts, zumindest nicht so schnell. Sie besitzt ein Vetorecht, was die Aufhebung der Stimmrechtsbeschränkung bei der Mol betrifft. Diese aber wackelt selbst auch, weil sie nicht EU-konform ist. Die OMV jedenfalls wird einen langen Atem haben müssen, wenn sie als Sieger bei diesem Übernahmeversuch durchs Ziel gehen will. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.9.2007)