Zu Beginn der Österreichischen Medientage , veranstaltet von der News-Gruppe und vom Manstein-Verlag , gab es Kritik an der zunehmenden Boulevardisierung der österreichischen Medien.

"Klimawandel im Medien-Business"

"Lange Zeit war Österreich eine Insel der Seligen, was den medialen Umgang mit Menschen betraf", so Verleger Hans-Jörgen Manstein in seiner Eröffnungsrede. Mit der Einführung des angelsächsischen Boulevardmodels und dem Markteintritt der neuen Tageszeitung "Österreich" habe sich "alles geändert". Der Weg des über viele Jahre gelebten medialen Grundkonsenses sei damit verlassen worden.

"Widerliches Eindringen in Privatsphäre"

Auch früher hätten unzählige Minister - Bundeskanzler inklusive - Affären gehabt, so Manstein. "Alle wussten es, alle schwiegen. Privat war privat und ging niemanden etwas an." Heute stehe "widerliches Eindringen in Privatsphäre" hingegen auf der Tagesordnung, Journalisten produzierten "Falschmeldungen" und "die unter Erfolgsdruck stehenden Medien wollen sich ihre Geschichten nicht durch Recherche kaputt machen lassen". Österreichs Medien befänden sich "auf dem Weg zur Selbstinferiorisierung".

Beispiel Bawag-Affäre

Als Beispiel führte Manstein die Bawag-Affäre an, wo er eine "skandalöse und beispiellose Vorverurteilung" ortet. Ex-Bawag-Generaldirektor Helmut Elsner sei zum "Staatsfeind Nummer eins" erklärt, "Fakten verfälscht" oder gar "frei erfunden" worden. Kritik übte der Verleger aber nicht nur an der Tageszeitung "Österreich", sondern auch am Wochenmagazin "News", das etwa ein falsches Elsner-Foto im Porsche abbildete, was die Verhaftung des Ex-Bankers beschleunigte.

"Medien immer marktschreierischer"

Auch Qualitätszeitungen hätten sich laut Manstein von der Dynamik anstecken lassen. "Medien werden immer marktschreierischer, aggressiver und versuchen sich gegenseitig zu überbieten - je Boulevard, desto besser." Manstein: "Ähnlich wie der meteorologische trägt dieser Klimawandel zur Zerstörung der Atmosphäre bei. Die Zeitungsmacher übersehen, dass sie nicht nur das gesellschaftliche Klima vergiften, sondern sich auch selbst austauschbar und ersetzbar machen." (APA)