Was sehen wir in Zukunft auf den zahllosen digitalen Kanälen? Gerhard Zeiler, Chef der RTL Group, zu der 39 TV-Sender in ganz Europa gehören, lieferte bei den Medientagen seine Erwartungen für die Inhalte: Wiederholungen, Archivprogramme, Zusatzprogramme zu "Top Model" und Co und neue Inhalte wie Handysoaps.

Fast 75 Prozent aller Programme britischer digitaler Spartenkanäle sind laut Zeiler Wiederholungen. Pro Jahr liefen 1000 Folgen von "Friends" - bei nur 200 verschiedenen Folgen ergibt das fünf Wiederholungen pro Folge, laut Zeiler "bei gleichbleibenden Ratings". Dazu kommen für Zeiler Serien, Filme, Dokus, Klassiker von früher aus dem Archiv.

Zwei Kategorien sind heutiger: Zusatzprogramme zu "Deutschland sucht den Superstar", "Top Model", "Big Brother" & Co. Und neue neue Programmformen für neue Plattformen wie Handysoaps.

Don't panic!

"Keine Sorgen" um die Zukunft des Fernsehens macht sich Zeiler. "Die Chancen durch die Digitalisierung sind größer als die Risiken", sagte der frühere ORF-Generalintendant bei den Österreichischen Medientagen in Wien. "Das grundsätzliche menschliche Bedürfnis, sich zurückzulehnen und unterhalten zu lassen, bleibt erhalten." Zeilers Kernbotschaft: "Wir wollen und werden der Fragmentierung des Fernsehmarktes pro-aktiv entgegensteuern, wir werden expandieren, und wir werden mit neuen Geschäftsmodellen experimentieren."

"Ganz neue Freiheiten"

Die Digitalisierung werde den Zuschauern "ganz neue Freiheiten" ermöglichen. Das TV-Publikum könne sehen, wann es will, wo es will und wie es will. Das Fernsehen werde deshalb das "Leitmedium Nummer eins" sein, zeigte sich Zeiler überzeugt. Fernsehunternehmen hätten sich in diesem dynamischen Umfeld aber drei großen Herausforderungen zu stellen: der Fragmentierung der Zuschauermärkte, die die Marktführer ganz besonders treffe, neuen Verbreitungsformen und -kanälen sowie neuen Unterhaltungsformen und -formaten (Stichwort "user generated content").

Zeiler hielt dem vier Grundsätze entgegen, an denen sich die RTL Group orientiert: "Es ist besser sich selbst zu fragmentieren, als von anderen fragmentiert zu werden. Angesichts eines Wettbewerbs von 100 Kanälen kann es sich kein TV-Unternehmen leisten, nur einen Sender anzubieten. Es braucht Senderfamilien, die sich komplementär ergänzen." Für den "staatlich geschützten öffentlich-rechtlichen Rundfunk" sei das kein Thema, "für uns Private schon". Weiters gebe es keinen Grund, Angst for neuen Technologien zu haben. Diese seien weniger als Konkurrenz denn als "neue Distributionskanäle" zu sehen. "Unser Geschäft ist nicht das Wo und Wann, sondern das Was - starke Marken, die im Mediendschungel der 1000 Kanäle Orientierung bieten", so Zeiler.

Chancen durchs Web

"Wir wollen auf allen heutigen und zukünftigen Kanälen vertreten sein." Als Beispiel führte der oberste RTL-Boss ein potenzielles "CSI: Wien" an. Infos und Trailer einer Folge würden ein paar Tage vor der TV-Ausstrahlung im Web zur Verfügung stehen, einen Tag vor der TV-Verbreitung wäre die Folge als Video on demand kostenpflichtig erhältlich, dann folgte die eigentliche Ausstrahlung im Fernsehen, unterbrochen durch klassische Werbeblöcke und in verschiedenen Übertragungsstandards, kurz danach wäre das ganze als kostenloser Download mit Werbung oder kostenpflichtig ohne Werbung zu beziehen, und am Ende stünde die Vermarktung via DVD. Zeiler: "So sieht unsere Antwort auf das Wo und Wann aus."

Darüber hinaus brauche es "Mut zur Nische". Die Digitalisierung biete nahezu unbegrenzte Verbreitungskapazitäten. Erfolgreiche "Nischenprodukte" seien etwa Kanäle, die Wiederholungen erfolgreicher Serien bringen. "Viele Programme sind so beliebt, dass die Zuseher sie immer wieder sehen wollen", berichtete Zeiler. Andere Nischen sieht der TV-Macher in Markenerweiterungen und entsprechenden Zusatzangeboten sowie in komplett neuen Inhalten wie etwa Soaps für Handy-TV. Zuletzt brauche es in der digitalen Welt eine Diversifizierung der Erlösquellen. "Ich glaube hundertprozentig an die Zukunft des werbefinanzierten Privat-Fernsehens, aber für neue Digital-Angebote wird es einen Mix aus Erlösquellen geben: Werbung, Abos, pay per view, Verkauf an andere Plattformen."

"Es braucht nur die richtigen Leute"

Auf die laufende Digitalisierung in Österreich - diese stellt die Sender vor Probleme, der ORF verliert Seher, ATV kann davon nicht profitieren - ging Zeiler am Rande der Medientage ebenfalls kurz ein. "Es müssten im österreichischen Fernsehen nur die richtigen Leute an den richtigen Stellen sitzen. Gelingt das, wird auch das österreichische Fernsehen wieder Erfolg haben", sagte Zeiler der Tageszeitung "Kurier" (Mittwoch-Ausgabe). Die Medienpolitik müsse da "gar nicht so viel tun". (fid/APA)