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Beckstein (re.) will sich nicht allein mit Sicherheitsthemen aus dem Schatten Stoibers lösen.

Zur Person
Günther Beckstein (63) ist seit 1993 bayerischer Innenminister. Er folgt nun Stoiber als Ministerpräsident und ist der erste Protestant in dem Amt.

Foto: Reuters/Rehle
Standard: Bekommt der neue Ministerpräsident Günther Beckstein am CSU-Parteitag seinen Wunsch-Tandempartner Erwin Huber als CSU-Chef, oder macht doch noch Horst Seehofer das Rennen?

Beckstein: Das letzte Wort haben die Delegierten, aber es ist doch so, dass Huber die Nase eindeutig vorne hat. Er ist der Richtige, um die Partei elf Monate vor der nächsten Landtagswahl zu einen und örtliche Brandherde zu löschen. Seehofer hingegen ist in Berlin und Brüssel sehr gefragt.

Standard: Stoiber war Ministerpräsident und CSU-Chef. Nun werden die Ämter getrennt. Haben Sie keine Angst vor Bedeutungsverlust?

Beckstein: Im Gegenteil. Wir sind sogar stärker, weil Erwin Huber und ich uns ja an zwei verschiedenen Orten für unser Anliegen einsetzen können. Das wird funktionieren, da wir seit 30 Jahren freundschaftlich verbunden sind. Jetzt sind wir einander auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Der eine wird nur Erfolg haben, wenn ihn der andere auch hat.

Standard: Das Verhältnis zwischen Angela Merkel und Edmund Stoiber war nicht immer friktionsfrei. Hat es die Kanzlerin mit Ihnen leichter?

Beckstein: Jeder hat seinen eigenen Stil. Ich denke, dass wir mit den Bundesministern Michael Glos (Wirtschaft) und Horst Seehofer (Landwirtschaft) sowie Peter Ramsauer, dem CSU-Landesgruppenchef im Bundestag, ein starkes Team bilden. Der bayerische Löwe hat zwar eine kuschelige Mähne, aber er hat auch scharfe Krallen und spitze Zähne. Wir werden Zähne und Krallen zeigen, um Bayerns Interessen durchzusetzen.

Standard: In den vergangenen neun Monaten war die CSU hauptsächlich mit ihren Grabenkämpfen beschäftigt. Welche Themen wollen Sie als neuer Ministerpräsident forcieren?

Beckstein: Wir müssen uns nicht nur um den Ausbau von Kindergärten kümmern, sondern auch um Betreuungsgeld für Eltern, die zu Hause ihre Kinder betreuen. Bei der Föderalismusreform gilt es darauf zu achten, dass beim Finanzausgleich nicht die Länder belohnt werden, die Schulden machen. Außerdem müssen wir uns um die Erbschaftsteuerreform kümmern. Das ist für Bayern wegen der Nähe zu Österreich besonders wichtig.

Standard: Ihr Leib-und-Magen-Thema, die Sicherheit, haben Sie gar nicht genannt. Wollen Sie da kürzer treten?

Beckstein: Ich habe es absichtlich nicht erwähnt, weil mich die meisten Leute ohnehin mit dem Thema verbinden. Selbstverständlich werde ich mich auch weiter für meine Grundsätze stark machen: Sicherheit ist ein Grundrecht, wir brauchen Härte gegen Schwerverbrecher und bessere Integration von Ausländern.

Standard: Wie soll die CSU mit Gabriele Pauli umgehen?

Beckstein: Die Delegierten entscheiden, ob sie sie wieder in den Vorstand wählen. Ich hielte es nicht für richtig. Der CSU sind Familie und Ehe in höchstem Maße schützenswert, und Pauli vertritt die elementare Umkehr dessen.

Standard: Die CSU hat traditionell gute Beziehungen zur ÖVP. Was kann diese von der CSU lernen?

Beckstein: Die Politik von Wolfgang Schüssel war ein Erfolgsmodell. Aber erfolgreiche Politik alleine reicht nicht, man muss sie dem Bürger auch verständlich machen. (Birgit Baumann/DER STANDARD, Printausgabe, 28.9.2007)