Linz - Als "Schock für Oberösterreich" bezeichnete der oberösterreichische SPÖ-Chef, Landeshauptmannstellvertreter Erich Haider, die am Freitag bekannt gewordene Schließung des Austria Tabak-Werks in Linz. Er sei bereit, mit den Belegschaftsvertretern gegen diesen Beschluss anzukämpfen, kündigte er an.

An dem Beispiel "sieht man nun drastisch, wohin die falschen VP-Privatisierungs- und Börseaktionen führen", stellte Haider fest. "Ich bin bestürzt, was hier mit einem österreichischen Traditionsbetrieb und seinen Mitarbeitern wegen eines falschen Verkaufs passiert." Das Land müsse nun aktiv werden und den Betroffenen Hilfe anbieten. Die SPÖ wolle das "mit voller Kraft" tun und außerdem "weiteren Börsegängen und Verkäufen mit Nachdruck entgegentreten", so der Landesparteichef.

VP-Sigl fordert Sozialplan

Einen "ordentlichen Sozialplan" hat auch der oberösterreichische Wirtschaftslandesrat Viktor Sigl (ÖVP) am Freitag gefordert. Er appellierte außerdem an das Unternehmen, die Schließung nochmals zu überdenken.

Der Präsident der Arbeiterkammer (AK) Oberösterreich, Johann Kalliauer, sprach vom "letzten Kapitel in einer traurigen Geschichte". Die AK habe immer kritisiert, dass die Republik ein Unternehmen verkauft habe, das jährlich Millionen Gewinne gemacht hat, um einen Einmaleffekt für das Budget erreichen zu können. Damit habe man nicht nur für die Republik eine laufende Einnahmequelle verschenkt, sondern auch Hunderte Arbeitsplätze vernichtet. "Jetzt muss zumindest ein Sozialplan die größten Härten mildern", verlangte Kalliauer.

"Direkte Folge von Grassers Privatisierung"

Als "direkte Folge der verfehlten Privatisierungspolitik von Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser" bezeichneten Erich Foglar, Vorsitzender der Gewerkschaft Metall-Textil-Nahrung (GMTN), und Karl Proyer, stellvertretender Bundesgeschäftsführer der Gewerkschaft für Privatangestellte, Druck, Journalismus, Papier (GPA-DJP) die geplante Schließung. "Schwarzmalerei, Miesmacherei und andere freundliche Worte hat man 2001 für die Warnungen der Gewerkschaften übrig gehabt, als wir die Privatisierung der Austria Tabak kritisiert haben", so Foglar in einer Aussendung. Für Proyer war es "volkswirtschaftlich fahrlässig, ein florierendes Unternehmen wie die Austria Tabak es war, zu privatisieren". (APA/red)