New York - Das erste direkte Gespräch zwischen den höchsten politischen Vertretern Belgrads und Pristinas ist am Freitag in New York nach etwa drei Stunden beendet worden. Wie der EU-Vertreter der Kosovo-Troika, Wolfgang Ischinger, bei einer Pressekonferenz mitteilte, werde das nächste Treffen am 14. Oktober in Brüssel stattfinden. Beide Seiten hätten ihre Bereitschaft bekundet, die direkten Gespräche fortzusetzen.

Der Vertreter Russlands in der Kosovo-Troika, Alexander Bozan-Chartschenko, erklärte, dass sich Belgrad und Pristina darauf geeinigt hätten, wieder Vertrauen zwischen den Völkern aufbauen und während den Gesprächen kooperieren zu wollen. Zudem hätten beide Seiten erklärt, von Schritten Abstand halten zu wollen, die schädlich für die regionale Sicherheit sein könnten, sagte Bozan-Chartschenko laut Itar-Tass.

Die Troika hatte zuvor die beiden Parteien daran erinnert, dass die Verhandlungen weitergeführt werden müssten und dass der Status qou nicht aufrechterhalten werden könne, erklärte Ischinger, der von einer konstruktiven Atmosphäre sprach. Die Kosovo-Troika führte am Abend noch getrennte Gespräche mit den beiden Seiten.

Der serbische Präsident Boris Tadic und Premier Vojislav Kostunica riefen bei den Direkt-Gesprächen die Albaner zur Kooperation bei der Suche nach einer demokratischen Lösung und dazu auf, eine maximale Autonomie innerhalb Serbiens anzunehmen. An die internationale Gemeinschaft wurde appelliert, von einer einseitigen Anerkennung der Unabhängigkeit des Kosovo, die verheerende Folgen hätte, abzusehen.

"Es ist unerlässlich, dass es zu einer wesentlichen Änderung in den Beziehungen zwischen Serben und Albanern - von historischem Misstrauen und Feindschaft zu Vertrauen und Zusammenarbeit - im 21. Jahrhunderts kommt", betonte Tadic. Beide Seiten müssten daher auf ihre teils "mythische" Deutung der Vergangenheit verzichten, wobei die "eigene Seite meist als Opfer und die andere als Angreifer" dargestellt wird. "Serben und Albaner müssen sich gegenseitig die Hand reichen, das anerkennen, was ihnen gemeinsam ist, ihren Respekt für die Opfer der nationalen Tragödien bekunden und ein gemeinsames, multethnisches Schicksal unterstreichen". Alle Seiten müssten auch jegliche Gewaltandrohung kategorisch zurückweisen.

Über die Darlegungen der Kosovo-Albaner war zunächst nichts bekannt. Das Team aus Pristina meinte vor den Gesprächen nur knapp, dass die Unabhängigkeit die einzige Option sei. (APA)